Bevor der Taschenrechner kam

Geschichtliches über die Rechenhilfen früherer Zeiten
bis zum Einsatz der Taschenrechner
mit mathematischen Erläuterungen

Literaturhinweis:
Buch von Friedrich Neumann "Vom Abakus zum Internet",
Untertitel: "Die Geschichte der Informatik", (2001, Primus Verlag GmbH, Darmstadt)


Inhaltsverzeichnis

Zur Beitragsübersicht


Vorgeschichte

Die meisten alten Völker kannten schon die vier Grundrechenarten:

Zusammenzählen (Addition)
Abziehen (Subtraktion)
Malnehmen (Multiplikation)
Teilen (Division

Der Ursprung unserer heutigen Zahlzeichen und unseres Zählsystems (Stellenwert-Zehnersystem, auch Dezimalsystem genannt) stammt aus Indien. Die Inder kannten schon im 8.Jahrhundert n. Chr. die Ziffern 1 bis 9 und die Null, die als kleiner Kreis dargestellt wurde. Dies ermöglichte die Stellenschreibweise. Mit den Arabern kamen diese Ziffern über Spanien nach Europa (arabische Ziffern genannt).

Das Stellenwertsystem ist in dem Beitrag Zahlensysteme beschrieben.

Abakus

Der Abakus als Hilfsgerät für die vier Grundrechenarten ist seit Jahrhunderten bekannt. Ursprünglich verwendete man Steinchen (calculi) auf einem Brett (Rechenbrett), später wurden kunstvolle Geräte daraus. Im Orient nennt man ihn Suapan. Dort wird er heute noch verwendet.

Es gibt mehr als 100 verschiedene Modelle des Abakus, die sich in Größe und Materialqualität unterscheiden.

Bild eines chinesischen Abakus, (C) AutorDas Bild links zeigt einen (auf dem Tisch liegenden) chinesischen Abakus in Messingausführung auf Marmorplatte, 80 x 45 mm groß. Der Abakus zeigt die Zahl 1986

In der Bedienungsanleitung [3] aus dem Jahre 1972 ist zu lesen:
»Er ist eine Rechenmaschine der einfachsten Form. Obwohl er nicht ein so hervorragender "Diener" ist wie eine moderne Maschine, so ist er doch viel billiger. Jede chinesische Firma, nahezu jeder einzelne Chinese, ob arm oder reich, ob jung oder alt, besitzt einen. Der chinesische Abacus addiert, subtrahiert, multipliziert und dividiert auf eine einfache und schnelle, aber doch genaue Weise. Nur die Kugeln sind zu bewegen. Die Wissenschaft des Abacus kann über Nacht gelehrt werden, sein Gebrauch ist eine Kunst. Er benötigt viel Übung. Sicherheit kommt durch dauernden Gebrauch ... «.

Von einer Rechenmaschine kann man beim Abakus noch nicht sprechen. Er ist eine Vorrichtung, mit der man schnell addieren und subtrahieren kann. Multiplikationen werden durch wiederholte Additionen, und Divisionen durch wiederholte Subtraktionen für jede Stelle der Zahl ausgeführt.

Nach der Einführung der Taschenrechner sind Schnelligkeits- und Genauigkeitswettbewerbe zwischen Taschenrechnern und Abakus durchgeführt worden. Aufgaben mit Kettenrechnungen, also mehreren hintereinander auszuführenden Vorgängen, waren zu bewältigen. Der Abakus gewann. Nachteile hat er bei Multiplikationen und Divisionen, die etwas aufwendiger sind als Additionen und Subtraktionen.

 

Vier-Spezies-Rechenmaschinen

"Vier-Spezies" nennt man die 4 Grundrechenarten.

Geschichtliches

Hier sollen nur Vier-Spezies-Maschinen betrachtet werden.  Im folgenden werden einige Meilensteine in der Entwicklung der Vier-Spezies-Maschinen aufgezeigt.

Jahr Ereignis
1623 Wilhelm Schickard, Astronom und Professor für biblische Sprachen an der Tübinger Universität, entwickelte eine Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten, mit der Berechnungen astronomischer Tafeln und Logarithmen vorgenommen wurden. Diese "Rechenuhr" steht heute im Deutschen Museum in München.
1641 Blaise Pascal entwickelte eine Addier- und Subtrahiermaschine für seinen Vater, der Steuereinnehmer war und viel rechnen mußte.
1671 Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) erfand eine Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten. 
1774 Philipp Matthäus Hahn (1739-1790), ein schwäbischer Pfarrer und ein hervorragender Uhrmacher, entwickelte eine Rechenmaschine, die erstmals zuverlässig arbeitete. Mit seiner Erfindung war die Entwicklung der modernen Addiermaschinen praktisch abgeschlossen. Die Maschinen seiner Vorgänger hatten wegen der damals fehlenden Präzision in der Herstellung mit funktionellen Schwierigkeiten zu kämpfen

Das Prinzip und die Bauweise

Das Prinzip des Abakus, Multiplikationen durch wiederholte Additionen und Divisionen durch wiederholte Subtraktionen auszuführen, gilt auch für die Vier-Spezies-Rechenmaschinen.

Für jede Stelle wir im Einstellwerk ein Einstellhebel und für das Ergebniswerk ein Zahnrad mit den Ziffern 0 bis 9 verwendet. Bei jeder Kurbelumdrehung vorwärts erfolgt eine Addition und bei jeder Kurbelumdrehung rückwärts eine Subtraktion. Das heißt, bei jeder Kurbelumdrehung wird die Zahl im Ergebniswerk entsprechend der Zahl im Einstellwerk verändert. Bei Multiplikation und Division ist der Schlitten, der den Umdrehungszähler und das Ergebniswerk enthält, um eine Stelle zu verschieben.

Bei Multiplikation ist die Anzahl der Kurbelumdrehungen von der Quersumme des Multiplikators abhängig. Zum Beispiel sind bei der Multiplikation mit der Zahl 789 insgesamt 7+8+9 = 24 Kurbelumdrehungen notwendig. Zusätzlich ist für jede Dezimalstelle eine Schlittenverschiebung notwendig. Man kann auch "790" kurbeln und dann bei den Einern eine Kurbeldrehung rückwärts, so daß auch wieder "789" im Umdrehungszähler steht.

Beispiel:
Die folgende animierte Skizze zeigt (hier nur 9-stellig) den Berechnungsvorgang
für die Multiplikation 1234 · 12.

Animierte Skizze "Prinzip der Vier-Spezies-Rechenmaschine"

Berechnungsvorgang für die Multiplikation 1234 · 12

Die gesamte Maschine wird auf Null gestellt. Mit den Ziffernhebeln wird die Zahl 1234 im Einstellwerk eingestellt [Start]. Bei jeder Kurbelumdrehung [K] erhöht sich der Umdrehungszähler an der blau markierten Dezimalstelle um 1. Im Ergebniswerk erscheint gleichzeitig das jeweilige Zwischenergebnis:

1234 · 1 = 1234 nach der 1. Kurbelumdrehung,
1234 · 2 = 2468 nach der 2. Kurbelumdrehung.

Für die Zehnerstelle muß der Schlitten (blau umrandet) um eine Stelle nach rechts verschoben werden [>]. Nach der 3. Kurbelumdrehung erscheint das Ergebnis 1234 · 12 = 14808 im Ergebniswerk.

 

Bild der Rechenmaschine Walther WSR 160Das Bild links zeigt die sechzehnstellige Rechenmaschine Walther WSR 160 (WSR = Walther Schnellrechenmaschine) aus dem Jahre 1963. Diese Maschine wurde damals als Schnellrechenmaschine bezeichnet [4], weil sie eine Rückübertragung des berechneten Ergebnisses in das Eingabewerk ermöglicht. Dadurch spart man sich bei Kettenrechnungen die Eingabe des vorher berechneten Ergebnisses.

 

Das Arbeiten mit der Maschine

Das Rechnen mit den Vier-Spezies-Rechenmaschinen, kurz "Kurbelmaschinen" genannt, ist eine lärmerzeugende Arbeit. Der Lärmpegel ist mit dem einer Schreibmaschine vergleichbar. Die Hand-Kurbel wurde später durch einen kleinen Elektromotor ersetzt. Durch entsprechenden Tastendruck startete man die Vorwärts- bzw. Rückwärtsdrehung des Motors. Dadurch stieg der Lärmpegel, weil die innere Mechanik der Maschinen gleich geblieben war und diese nun schneller bewegt wurde.

Die 5. Spezies als Zugabe

Mit der Vier-Spezies-Rechenmaschine kann man auch Wurzelziehen.

a) Bei der aufwendigen iterativen Methode ist der Wurzelwert zu schätzen und mit dem geschätzten Wert die Probe auf der Maschine zu machen. Ist das Ergebnis der Probe zu groß oder zu klein, wird der Wert der geschätzten Wurzel angepaßt und der Vorgang so oft wiederholt, bis die erwünschte Genauigkeit erreicht ist. Das funktioniert nicht nur bei Quadratwurzeln, sondern auch bei dritten und höheren Wurzeln. Es ist eine mühsame Arbeit, auf diese Weise Wurzeln zu berechnen.

b) Speziell für die Quadratwurzel gibt es ein direktes Verfahren für die Vier-Spezies-Maschine nach Prof. Töpler. Dieses beruht auf der Tatsache, daß man beim fortlaufenden Addieren der ungeraden Zahlen 1+3+5+ ... immer eine Quadratzahl erhält. Man erhält so aus den ersten n ungeraden Zahlen >0 als Summe immer n2.

Beispiel: Die ersten 6 ungeraden Zahlen aufsummiert: 1+3+5+7+9+11 = 62 = 36.

Nach diesem Prinzip muß man auch umgekehrt beim Subtrahieren der ungeraden Zahlen von einer Zahl zur Quadratwurzel dieser Zahl kommen. Mit einer sechzehnstelligen Maschine kann man nach dieser Methode Quadratwurzeln mit maximal acht signifikanten Stellen berechnen, 7 Stellen davon sind genau.

 

Allgemeine mathematische Zahlentafeln

Mathematische Zahlentafeln waren früher sehr beliebte Hilfsmittel, denn man konnte alle Zahlenwerte und Daten, die man sonst mühsam selbst ausrechnen müßte, bequem nachschlagen. Sie waren in jedem größeren mathematischen Lehrbuch und auch in den verschiedensten technischen Büchern als Anhang abgedruckt.

Am bekanntesten ist die Allgemeine mathematische Zahlentafel mit den Primzahlen, Potenzen, Wurzeln, natürlichen Logarithmen, Reziprokwerten, Kreisumfängen und Kreisflächen.

Eigene Zahlentafeln gibt es für die Logarithmen (siehe unten: Logarithmentafeln), Exponentialfunktionen ex und e-x, trigonometrischen Funktionen sin, cos, tan und cot, Hyperbelfunktionen sinh, cosh, tanh und coth und Umrechnungstabellen für die Winkelmaße jeweils von Grad (Altgrad), Gon (Neugrad) und Radiant (Bogenmaß) in Grad, Minuten und Sekunden und umgekehrt.

Die meisten dieser Zahlentafeln sind mit der Einführung der technisch-wissenschaftlichen Taschenrechner entbehrlich geworden.

Einen großen Vorteil hatten diese Tafeln: Man konnte sie in beiden Richtungen verwenden. Man brauchte keine inversen Funktionen (z.B. arcsin), denn diese ergaben sich durch die umgekehrte Benutzung der Tabellen. Beim Taschenrechner müssen die inversen Funktionen zusätzlich eingebaut werden.

 

Logarithmentafeln

Warum Logarithmen?

Bei Verwendung von Logarithmen können komplizierte Berechnungen, die nicht elementar (mit Bleistift und Papier) lösbar sind, auf Additionen und Multiplikationen zurückgeführt werden. 

Geschichtliches

Der Versuch der Entdeckung des Seewegs nach Indien ist eng verflochten mit der Blütezeit der Astronomie, der Navigation und der Trigonometrie. Die Logarithmen lagen damals "in der Luft". Vorarbeiten dazu gab es in Dänemark. Die Hauptarbeit wurde jedoch in England und in der Schweiz geleistet.

Lord John Napier of Merchiston (1550-1617, ein schottischer Mathematiker, auch Neper genannt) veröffentlichte im Jahre 1614 seine Logarithmen unter dem Titel "Mirifici logarithmorum canonis descriptio". Zusammen mit dem Londoner Professor Henry Briggs (1556 - 1630) führte er die dekadischen Logarithmen (auch Briggsche oder Zehner-Logarithmen genannt) ein. Nach Nepers Tod vollendete Briggs die Berechnungen und veröffentlichte 1624 unter dem Titel "Arithmetica logarithmica" die 14-stelligen Logarithmen der Zahlen 1 bis 20000 und 90000 bis 100000. Die fehlenden Logarithmen berechneten später Ezechiel de Decker und Adrian Vlacq. Im Jahre 1627 erschien ihre erste vollständige Logarithmentafel.

Unabhängig davon entwickelte Jost Bürgi (1552 - 1632), ein Schweizer Uhrmacher, aus den Arbeiten zur Zinseszinsberechnung von Simon Stevin (1548 - 1620) angenäherte natürliche Logarithmen, die als "Arithmetische und geometrische Prozeßtabuln" 1620 in Prag veröffentlicht wurden. Diese Logarithmen wurden in Tabellen aufgereiht und als Logarithmentafeln herausgegeben.

Etwas elementare Mathematik zum Verständnis der Logarithmen

Die Logarithmen wurden entwickelt, weil das Potenzieren und das Wurzelziehen mit "krummen" Zahlen mit den damals vorhandenen Mitteln nicht möglich war, weder mit Bleistift und Papier noch mit den Vier-Spezies-Rechenmaschinen.

Mit den Logarithmen wird die Rechenstufe um 1 herabgesetzt:

berechnet.

An sich ist die Basis der Logarithmen frei wählbar. Die dekadischen oder Zehner-Logarithmen log x (Basis 10) sind allgemein bekannt. Dazu gibt es noch die natürlichen Logarithmen ln x ( = logarithmus naturalis, Basis e = 2,71828182846...). Man kann aus jedem Logarithmus in jede andere Basis durch einfache Multiplikation oder Division umrechnen.

Hier sollen nur die dekadischen Logarithmen betrachtet werden. Aus der Umkehrung der Zehnerpotenzen 10n = b ergeben sich die dekadischen oder Zehner-Logarithmen n = log b.

Sollen zwei Zahlen a · b multipliziert werden, so addiert man ihre Logarithmen. Die Summe dieser Logarithmen ist der Logarithmus des Produktes dieser beiden Zahlen. Zu diesem Logarithmus sucht man die zugehörige Zahl c aus einer Logarithmentafel.

Aufgabenstellung: a · b = c

1. Schritt: Aufsuchen der Logarithmen von a und b und Addition derselben:
log (a · b) = log a + log b = log c
2. Schritt: Zum berechneten Logarithmus der Zahl c wird in der Logarithmentafel der zugehörige Numerus (Zahl) herausgesucht:
c = 10(log a + log b) = 10log (a · b) = a · b

Für eine Multiplikation braucht man keine Logarithmen, man kann sie genauer und schneller mit Bleistift und Papier oder mit einer Vier-Spezies-Rechenmaschine durchführen. Die Vorteile der Logarithmen liegen jedoch im Potenzieren und Wurzelziehen mit "krummen" Zahlen.

Sollen zwei Zahlen a und b potenziert werden, so multipliziert man den Logarithmus der Basis mit dem Exponenten.

Aufgabenstellung: ab = c

1. Schritt: Aufsuchen des Logarithmus der Basis a und Multiplikation mit dem Exponenten b:
log ab = b · log a = log c
2. Schritt: Zum berechneten Logarithmus der Zahl c wird in der Logarithmentafel der zugehörige Numerus (Zahl) herausgesucht:
c = 10(b · log a) = 10log ab = ab

Logarithmentafel

Logarithmentafeln füllen dicke Bücher, besonders bei sieben- und höherstelligen Logarithmen. Auch die Logarithmen der Werte der trigonometrischen Funktionen und die Allgemeinen mathematischen Zahlentafeln (siehe oben) sowie Interpolationstabellen für die Interpolation der Zahlen oder Logarithmen, wenn diese zwischen zwei Tabellenwerten liegen, sind in diesen Büchern zu finden.

Die nachfolgende Tabelle zeigt einen Ausschnitt aus einer fünfstelligen Logarithmentafel [1]. Sie enthält die Logarithmen für die Numeruswerte 2000 bis 2009 und 2400 bis 2509. Die Logarithmen für die Numeruswerte 2010 bis 2399 werden aus Platzgründen ausgespart.

Numeruswerte [N.] sind die Zahlen, deren Logarithmenwerte [L.] in der Tabelle angegeben sind. Die linken beiden Stellen von L. sind der Übersichtlichkeit halber nur am Beginn der Seite und beim Tausenderwechsel angegeben.

  L.
N. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
200 30 103 125 146 168 190 211 233 255 276 298
201...239 Diese Werte werden hier nicht wiedergegeben.
240 38 021 039 057 075 093 112 130 148 166 184
241 202 220 238 256 274 292 310 328 346 364
242 382 399 417 435 453 471 489 507 525 543
243 561 578 596 614 632 650 668 686 703 721
244 739 757 775 792 810 828 846 863 881 899
245 917 934 952 970 987 005 023 041 058 076
246 39 094 111 129 146 164 182 199 217 235 252
247 270 287 305 322 340 358 375 393 410 428
248 445 463 480 498 515 533 550 568 585 602
249 620 637 655 672 690 707 724 742 759 777
250 794 811 829 846 863 881 898 915 933 950
N. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
  L.

Erläuterungen:

N. = Numerus
L. = Logarithmus,
Farbwechsel von weiß auf grün = Sprung zum nächsten Tausenderbereich (z.B. von 38987 zu 39005)

Beispiel zu Numerus und Logarithmus:
Zu N. = 2000 gehört L. = 30103. Kommastellen werden hier nicht angegeben, weil N. und L. verschiedene Werte repräsentieren können, wie die folgende Tabelle zeigt:

N.= 2000 L.= 30103
Zahl = 2,00 Logarithmus = 0,30103
Zahl = 20,0 Logarithmus = 1,30103
Zahl = 200,0 Logarithmus = 2,30103

Beispiel für eine logarithmische Berechnung: ab = 2,53,5 = x

(zur Berechnung wird der obige Ausschnitt der Logarithmentafel verwendet)

1. Schritt: Logarithmus für a = 2,5 suchen

log 2,5 = 0,39794 (fünfstelliger Logarithmus, aus der Logarithmentafel zu entnehmen: N. = 2500, L. = 39794). Da die Zahl a = 2,5 zwischen 1 und 10 liegt, muß beim Logarithmus eine Null vor dem Komma sein.

2. Schritt: Logarithmus für die Ergebniszahl x berechnen: log x = b · log a

log x = 3,5 · log 2,5 = 3,5 · 0,39794 = 1,39279 (Berechnung mit Bleistift und Papier).
Die 1 vor dem Komma sagt aus, daß das Ergebnis zwischen 10 und 100 liegt.

3. Schritt: Zu log x die Zahl x aus der Tafel ermitteln

Der Teil nach dem Komma von log x = 1,39279 wird in der Logarithmentafel gesucht und dazu der Numerus (die Zahl) aus der Tafel abgelesen, er liegt zwischen N. = 2470 (L. = 39270) und N. = 2471 (L. = 39287). Die Interpolation (9/17 = 0,53) ergibt zwei weitere Stellen: 53, wobei die letzte Stelle gerundet ist. Der Numerus beträgt also 247053. Jetzt muß nur noch das Komma richtig gesetzt werden. Da die Zahl x zwischen 10 und 100 liegen muß, gehört der Logarithmus 1,39279 zur Zahl 24,7053. Die letzte Stelle ist gerundet.

Ergebnis: 2,53,5 = x = 24,7053 (mit dem Taschenrechner ergibt sich 24,7052942201)

An diesem Beispiel sieht man, daß die genaueren Berechnungen früher schon ziemlich viel Mühe kosteten. Vor dem Auftauchen der Taschenrechner mußten sich Ingenieure und Wissenschaftler mit den Logarithmentafeln herumplagen, wenn die Genauigkeit der Rechenschieber nicht ausreichte.

Wie werden die Werte für die Tafeln berechnet?

Sämtliche Tabellenwerke, auch die Logarithmentafeln, mußten erst einmal von Hand oder mit Vier-Spezies-Rechenmaschinen erstellt werden, bevor man sie als Hilfsmittel für Berechnungen einsetzen konnte. Die in der Mathematik bekannten Reihenentwicklungen bilden die Grundlage für die Erstellung dieser Tabellenwerke. Diese Reihenentwicklungen benötigen nur die vier Grundrechenarten und bilden auch bei den Computern und Taschenrechnern die Grundlage für die internen Funktionswertberechnungen.

1. Beispiel: Formel für die Berechnung eines Sinuswertes sin x

Formel zur Berechnung eines Sinuswertes

Erläuterung:
Für x ist der Winkel im Bogenmaß (rad) einzugeben: 1 rad = 57,2957795131°.
Die Bogenlänge eines Kreisbogens mit dem Winkel von 1 rad entspricht genau der Länge des Radius. Zum Beispiel wird der Winkel 30° als
x = 30/57,2957795131 = 0,523598775598 eingegeben.

3! bedeutet "1 · 2 · 3" und wird als "3-Fakultät" bezeichnet.
5! bedeutet "1 · 2 · 3 · 4 · 5" und wird als "5-Fakultät" bezeichnet.
7! bedeutet "1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7" und wird als "7-Fakultät" bezeichnet.

2. Beispiel: Formel zur Berechnung des natürlichen Logarithmus ln x für x > 0

Formel zur Berechnung des natürlichen Logarithmus

Aus dem natürlichen Logarithmus ln x (Basis e = 2,71828182846...) kann man
durch einfache Division durch den festen Wert ln 10 = 2,30258509299... oder durch Multiplikation mit dem Kehrwert (1 / ln 10) = 0,434294481904... den dekadischen Logarithmus log x (Basis 10) berechnen:

log x = 0,434294481904 · ln x

Zahlenbeispiel: Berechnung von ln 2

a) Aus der Formel für ln x ergibt sich für x = 2 mit 7 berechneten Summanden:

Berechnung des natürlichen Logarithmus von 2

= 2 · [0,33333333 + 0,01234568 + 0,00082305 + 0,00006532 +
0,00000565 + 0,00000051 + 0,00000005]
= 2 · 0,34657359 = 0,69314717, aufgerundet 0,6931472

b) Beim Taschenrechner ergibt sich: ln 2 = 0,69314718056, aufgerundet 0,6931472

c) Berechnung von log 2 = 0,434294481904 · 0,6931472 = 0,30103 (siehe Logarithmentafel)

Es gibt noch andere Wege zur Berechnung von Logarithmen, wie sie z. B. Briggs beschritten hat. Die gezeigten Beispiele mögen zur Veranschaulichung der Berechnung von Funktionswerten jedoch genügen.

 

Logarithmischer Rechenschieber

Geschichtliches

Nicht nur bei der Entwicklung der Logarithmen, sondern auch bei den Rechenschiebern waren die Engländer führend.

Als praktische Anwendung seiner Logarithmen stellte Neper (siehe oben) einen Rechenschieber in Form von Rechenstäbchen her. 

Der Engländer Edmund Gunter (1561 - 1626) gab1620 das Prinzip eines logarithmischen Rechenschiebers an. Die Längen wurden mit dem Zirkel abgegriffen.

Wenige Jahre darauf bediente sich der Engländer William Oughtred (1574 - 1660) geradliniger und kreisförmiger aneinander gleitender Skalen, die den Zirkel überflüssig machten.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts verwendeten die Engländer Edmund Wingate (1593 - 1656) und Set Partridge einen Rechenschieber mit eingefügter Zunge, der bereits unseren neuzeitlichen Rechenschiebern sehr ähnlich war.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die industrielle Massenproduktion von Rechenschiebern. Es gab auch Rechenschieber für besondere Zwecke, etwa für Kaufleute und Elektriker. Auch die Rechenscheiben gehören zu den Rechenschiebern, dort ist die Skalenlänge auf dem Umfang einer Scheibe angeordnet. Die Scheiben mit korrespondierenden Skalen sind im Mittelpunkt gegeneinander drehbar verbunden.

Beschreibung des Rechenschiebers

Das Prinzip der Streckenaddition

Die Funktionsweise des Rechenschiebers beruht auf der Addition oder Subtraktion von Strecken durch Aneinanderlegen von Skalen:

Prinzip des Rechenschiebers

Beispiel für Addition:

7 + x = y

In der Skizze ist der Anfang der oberen Skala mit der Null auf die 7 der unteren Skala eingestellt. 7 ist der erste Summand.
Nun wird auf der oberen Skala der zweite Summand x = 5 aufgesucht und gegenüber auf der unteren Skala die Summe y = 12 abgelesen.
Gegenüber den oberen Zahlen x ist an der unteren Skala die
Summe
y = 7 + x abzulesen (siehe Bild oben: 7 + 5 = 12).
Beispiel für Subtraktion:

y - x = 7

Wenn man die Differenz 13 - 6 berechnen will, so stellt man über y = 13 der unteren Skala x = 6 der oberen Skala und und geht auf der oberen Skala nach links bis zur 0. Dort liest man an der unteren Skala das Ergebnis 7 ab.
Dem Wert y an der unteren Skala steht der Wert x der oberen Skala gegenüber. Für jedes dieser Zahlenpaare gilt die Differenz y - x = 7.
(siehe Bild oben:
13 - 6 = 7)

Bauweise des logarithmischen Rechenschiebers

Die Funktionsweise des logarithmischen Rechenschiebers beruht auf der Addition oder Subtraktion von Strecken durch Aneinanderlegen logarithmischer Skalen.

Animierte Skizze: Bauweise eines Rechenschiebers Der neuzeitliche Rechenschieber besteht aus einem "Körper" mit zwei verbundenen Skalenleisten, in deren Mitte eine "Zunge" mit korrespondierenden Skalen beweglich angeordnet ist. Zum Merken der eingestellten Zahl dient ein "Läufer" mit einem dünnen senkrechten Strich und mehreren Hilfsmarkierungen.

Die Rechenschieber wurden in verschiedenen Größen hergestellt:

Die Skalen

Zu beachten ist, daß beim Rechenschieber auf den logarithmischen Hauptskalen A, B, C, CI (invers = 1/x), D und K der Wert Null nicht vorkommt. Diese Skalen beginnen und enden mit dem Wert 1. Die Hauptskalen C, CI und D enthalten zwischen den beiden Einsen jeweils nur einen Zehnerpotenzbereich (z. B. 0,1 bis 1,0 oder 1 bis 10 oder 10 bis 100; usw.). Die Quadratskalen A und B enthalten zwei und die Kubikskala K enthält drei Zehnerpotenzbereiche.

Die Skala L ist gleichmäßig geteilt und läuft von 0,0 bis 1,0; an dieser kann der log x abgelesen werden. An den Skalen S (Sinus), T (Tangens) und ST (Sinus-Tangens; für kleine Winkel ist der Sinus annähernd gleich dem Tangens) kann man die Werte der Winkel ablesen.

Die doppelt-logarithmischen Skalen LL01 bis LL03 und LL1 bis LL3 gibt es nur auf den doppelseitigen Systemen. Sie ermöglichen Potenzberechnungen wie ab oder a1/b.

Die Systeme

Es gibt verschiedene Systeme, die sich nur durch die Art und Anordnung der Skalen oder durch die Bauweise (einseitig, doppelseitig) unterscheiden:

"Darmstadt" einseitiger technisch-wissenschaftlicher Rechenschieber,
"Rietz" einseitiger technisch-wissenschaftlicher Rechenschieber (siehe Bild unten)
"ARISTO-Studio" doppelseitiger technisch-wissenschaftlicher Rechenschieber
andere Systeme für Finanzberechnungen, Kaufleute, Spezialbereiche

Das folgende Bild zeigt die linke Hälfte eines Rechenschiebers des Systems "Rietz"der Firma Faber-Castell. Dieser hat eine Skalenlänge von 12,5 cm. Die Skalen S, T und ST befinden sich auf der Rückseite der Zunge, die herausgezogen und umgedreht eingesteckt werden kann. Die oberste Skala ist eine normale cm-Skala.

Bild eines Rechenschiebers, System "Rietz"

 

Einstellung des Rechenschiebers im Bild:

Der Beginn der Skala C (Wert 1) ist auf die Zahl 1,5 der Skala D eingestellt (das ist die kleine 5 zwischen 1 und 2, in diesem Bereich ist nur die erste Ziffer nach dem Komma beschriftet). Mit dieser Einstellung können alle Multiplikationen 1,5 · x durchgeführt werden, wenn man mit x auf der Skala C nach rechts wandert.

Von der Zungeneinstellung unabhängig ist die Beziehung zwischen der Skala D und L. Dort kann man z. B. den log 2 ablesen: Für den Wert 2 auf der Skala D liest man den Wert 0,30 auf der Skala L ab. Genauere Ablesungen sind nur mit der Lupe möglich, aber nicht sinnvoll.

Die Anwendung des Rechenschiebers

Aufgaben

Der Rechenschieber erfüllt zweierlei Aufgaben:

Das Ergebnis

Die Berechnung liefert nur das zahlenmäßige Ergebnis (signifikante Stellen) ohne Stellenwert. Den Stellenwert muß der Anwender durch "Mitdenken" selbst ermitteln. Auch hier ist wie beim Abakus viel Übung notwendig, um ihn perfekt zu beherrschen.

Unentbehrlich in Wissenschaft und Technik

Der Autor hat 1957 bei seinem Studienantritt, wie jeder andere Ingenieurstudent auch, eine Logarithmentafel und einen Rechenschieber vorweisen müssen. Beide Hilfsmittel waren damals Voraussetzung für "höhere" Berechnungen.

Bei den Wissenschaftlern und Ingenieuren waren Rechenschieber noch bis etwa 1970 unentbehrliche Hilfsmittel bei Berechnungen. Erst die technisch-wissenschaftlichen Taschenrechner lösten den Rechenschieber ab. Im Handbuch der Mathematik [2] von 1972 ist eine genaue Beschreibung des Rechenschiebers und seiner Verwendung angegeben.

 

Addiator

Ein Nachteil der Rechenschieber ist, daß man damit nicht genau addieren und subtrahieren kann. Obwohl das Prinzip des Rechenschiebers auf der Addition von Strecken auf den Skalen beruht, so sind die Ablesungen der Skalen bei mehrstelligen Zahlen zu ungenau, selbst bei Verwendung einer Lupe.

Deshalb wurde neben dem Rechenschieber ein zweites Taschengerät, der Addiator, zu Addieren und Subtrahieren notwendig. Es besteht aus nebeneinanderliegenden verschieblichen senkrechten Ziffernstreifen, die um die entsprechenden Werte nach oben unten geschoben werden. Auch ein Übertrag zur nächsten Stelle ist möglich. Im Prinzip ist der Addiator nichts anderes als ein Abakus mit Ziffernstreifen anstelle der Kugeln.

Dieses Gerät war früher neben dem Rechenschieber in der Tasche jedes Ingenieurs zu finden. Das nachfolgende Bild ist der Bedienungsanleitung [5] des Addiators entnommen und zeigt Vorder- und Rückseite des Geräts.

Skizze der Vorder- und Rückseite des Addiators

 

Programmgesteuerte elektronische Maschinen

Geschichtlicher Überblick

1833 plante Charles Babbage (1791-1871) an der Universität Cambridge eine Maschine, bei der die Reihenfolge der einzelnen Rechenoperationen nicht mehr manuell, sondern durch nacheinander eingegebene Lochkarten (!) gesteuert werden sollte. Diese Maschine sollte einen Zahlenspeicher, ein Rechenwerk, eine Steuereinheit und einen Programmspeicher besitzen. Wegen der unzulänglichen technischen Möglichkeiten zur Herstellung dieser Maschine wurde sie nie funktionsfähig.
1847 veröffentlichte George Boole (1815-1864) seine mathematische Logik (Boole'sche Algebra), die auf Leibniz' Dualsystem aufbaute und heute die Grundlage für die Entwicklung der logischen Schaltglieder der Digitaltechnik und vor allem der Rechner ist.
1886 entwickelte Hermann Hollerith (1860-1929) in den USA elektrisch arbeitende Zählmaschinen für Lochkarten. Der damals 20-jährige Diplomingenieur wurde (1880) Mitarbeiter bei der Volkszählung der USA und führte dort 1889 die Lochkarte als Zählkarte ein. Das Zählgerät (Volkszählungsmaschine) bestand aus einer Kontaktpresse mit Abtastplatte und einen Zähler für jeden Kontakt. Durch Kabelverbindungen waren logische Verknüpfungen möglich. Der Zeitaufwand für die Auswertung konnte durch die Lochkarten auf ein Achtel der vorher benötigten Zeit herabgesetzt werden.
Die Lochkartentechnik wurde unmittelbarer Vorläufer der EDV. 1896 wurde die erste Firma gegründet, aus der 1910 die IBM hervorging.
1934 begann in Berlin der Bauingenieur Konrad Zuse, geboren 1910, mit der Planung einer programmgesteuerten Rechenmaschine für Aufgaben der Statik. 1937 war die mechanische Anlage Z1 fertig. Sie arbeitete mit Dualcode und wurde über einen Lochstreifen gesteuert, auf dem das Programm stand.
1941 war Zuses berühmte Z3 fertig, die erste programmgesteuerte Rechenmaschine der Welt, eine Relais-Maschine mit 2000 Relais.
1943 Entwicklung des COLOSSUS (Röhrenmaschine) von Turing in England (Entschlüsselung von Funksprüchen. (Das theoretische Prinzip der Turing-Maschine wurde später in der Informatik bedeutend).
1944 Fertigstellung von MARK I durch Aiken in Zusammenarbeit mit IBM in USA
Daten der Maschine:
Länge = 16 m, 3304 Röhren, 850 km Draht, 35 t Gewicht, Lochkartentechnik, Fernsprechzähler, keine zentrale Programmsteuerung, sondern Steuerung über zentrale Stecktafel (Schaltplatte), 72 Addierzählwerke, kein variabler Speicher, 60 Fixwertspeicher,
1946 entwickelte der Mathematiker John von Neumann (1903-1957) die Prinzipien eines Universalrechners (Darstellung von Befehlen, Operationen und Daten im gleichen Speicher, Idee der Speicherprogrammierung).
1946 Fertigstellung der ENIAC, eines 30 t schweren mit 18000 Elektronenröhren und 1500 Relais bestückten Rechners (Kosten: 10 Millionen $), der 200 kW Anschlußleistung erforderte. Er arbeitete mit BCD-Code, also dem Dezimalsystem. Hauptproblem: Röhrenausfall alle paar Minuten.
1948 erstmals in Deutschland wieder Aktivität:

Walther, Mathematik-Professor an der TH Darmstadt, entwickelte den Analogrechner DERA (Darmstädter Elektronische Rechen-Anlage)

Piloty an der TH München, entwickelte PERM (1950 Programmgesteuerter Elektronischer Rechenautomat München)

1948 Erster russischer Rechner BESM mit 4000 Elektronenröhren (Speicherröhren), damals schnellster Rechner der Welt.
1948 Erfindung des Transistors auf der Basis der Halbleiter.
1951 Bau der UNIVAC I von Remington Rand Inc.
1954 Auslieferung des IBM 650 Magnettrommelrechners

Durch die Erfindung des Transistors im Jahr 1948 wurde die Entwicklung der elektronischen Rechner sehr beschleunigt. Der Transistor wird aus Halbleitermaterial (Germanium, Silizium) hergestellt. Das Wort "Halbleiter" gibt an, daß dieses Material den Strom nur "zum Teil" leitet (bzw. daß man die Leitfähigkeit beeinflussen kann), im Gegensatz zu den Metallen, die ihn gut leiten, und den Nichtleitern wie Porzellan und Gummi, die als Isolationsmaterial verwendet werden.

Die Beeinflußbarkeit der Leitfähigkeit von Halbleitermateralien wird beim Transistor ausgenutzt.

Der Transistor besteht aus drei Schichten von verschieden dotierten (mit anderen Elementen "verunreinigten") Halbleitermaterialien (Flächentransistor), die mit elektrischen Anschlüssen versehen sind. Er kann als Verstärkerelement und als Schaltelement verwendet werden. Transistoren werden als Einzelbauteile (diskrete Bauteile) hergestellt und verwendet. Auch Bauelemente, die den Strom nur in einer Richtung leiten (Dioden), werden aus Halbleitermaterial hergestellt.

Man hatte gelernt, die drei Schichten sehr dünn (durch Aufdampfen) herzustellen und damit Transistoren sehr klein zu fertigen. Man packte immer mehr Transistoren sehr dicht auf eine Unterlage (Substrat). Damit wurde eine Miniaturisierung möglich. Diese "integrierten Schaltungen" enthalten Hunderttausende von Transistoren (Transistorfunktionen) und sind Grundlage der modernen Computertechnologie (Prozessor-Chips) geworden.

1954/55 erster Transistorrechner TRADIC der Bell Telephone Laboratories (800 Transistoren) und UNIVAC II von Remington Rand Inc. mit 500 Transistoren.
1956 Erster Einsatz eines Röhrenrechners bei einer deutschen Behörde (BfA).
1957 Volltransistorisierte Rechenanlage SIEMENS 2002.
1959 Volltransistorisierte Rechenanlage von IBM.
1962 Erster Rechner von DEC.
1964 Erste Rechnerfamilien: IBM 360, CD 3000, PDP 10, SIEMENS 4004, UNIVAC 9000, Eingabe immer noch durch Lochkarten.
1967 Erster Einsatz von Prozeßrechnern.
1967/70 Großintegrierte Rechnerbausteine (Raumfahrt! Mondlandung!).
1971 Erster wissenschaftlicher Taschenrechner HP- 35, Preis über 1000 DM.
1975 Rechnerfamilien CD Cyber, IBM 370, DEC 20, SIEMENS 7700 UNIVAC 90.
1976 Gründung von Zilog (µP: 8080, Z80).
1976 Erster 16-Bit-Mikroprozessor von Texas Instruments.
1978 Erste Heimcomputer auf der Basis der 8-Bit-Mikroprozessoren.
1979 Erstmals Computerabteilungen in den Kaufhäusern zum Absatz von Heimcomputern.
1983 Bei VW Einsatz von Montagerobotern.
1986 Mehrprozessor-Computer als PC-Anlagen, Durchsetzung eines gewissen Industriestandards bei PC-Anlagen (Prozessortypen 8086, 80186).
1987 Taschenrechner mit Solarstromversorgung (das Licht einer Kerze reicht aus) in der Größe einer Scheckkarte mit den vier Grundrechenarten, einem Speicherregister, Wurzel- und Prozentrechnung für den Preis von weniger als 5 DM.
ab 1987 Komplexe Mikroprozessoren (80286, 80386, 80486, Pentium, K6, usw.) revolutionieren den Bau von kleinen und transportablen Computern (Desktop-, Laptop, Notebook-, Palmtop-, Handheldmodelle).

 

Wissenschaftliche Taschenrechner

Der erste technisch-wissenschaftliche Taschenrechner, den der Autor 1973 zu Gesicht bekam, war der HP-35 [6]. Der Rechner heißt so, weil er 35 Tasten hat.

Es verwunderte die Fachanwender, daß alle Funktionswerte (Logarithmen, Funktionswerte) auf Tastendruck mit zwölfstelliger Genauigkeit abzulesen waren, eine Genauigkeit, die keine Logarithmentafel bot. Die Funktionswerte sind nicht etwa gespeichert, sondern werden auf Tastendruck aus den bekannten mathematischen Reihenentwicklungen (siehe oben) berechnet. Die Programme dafür sind intern fest gespeichert und werden per Tastendruck gestartet. Die Ergebnisse werden intern mit 56 Bit Genauigkeit berechnet. Dabei ist die gesamte Elektronik mit den 3 integrierten Schaltungen und sonstigen Bauteilen nur 7x7 cm groß.

UPN und automatischer Stack

Der HP-35 verwendet die umgekehrte polnische Notation (UPN) in Verbindung mit einem automatischen Stack (Kellerspeicher, Stapel), bei der zuerst die Zahlen in die Register des Stacks eingegeben werden, bevor die Funktionstaste gedrückt wird. Die Addition 3 + 5 wird als

3
ENTER
5
+

eingegeben. Sofort nach dem Drücken der Funktionstaste [+] wird das Ergebnis angezeigt. Bei weiteren Additionen wird nur mehr die nächste Zahl eingegeben und die Funktionstaste gedrückt. Der automatische Stack des HP-35 ermöglicht Kettenrechnungen ohne separate Zwischenspeicherungen.

Bei der arithmetischen Notation, die andere Taschenrechner verwenden, rechnet man bei diesem Beispiel:

3
+
5
=

Bei der arithmetischen Notation gibt es Klammerebenen für Kettenrechnungen.

Dem Prinzip UPN mit automatischem Stack blieb HP auch bei den nachfolgenden Modellen treu. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kann man mit UPN wesentlich schneller rechnen als mit der arithmetischen Notation.

Letzte Entwicklungen

Die modernen Taschenrechner der verschiedenen Hersteller sind inzwischen so weit entwickelt, daß sie frei programmierbar sind, Gleichungslöser enthalten, Integral- und Differentialrechnung beherrschen, mit frei definierbaren Variablen, Matrizen und komplexen Zahlen rechnen können und die Ergebnisse numerisch oder graphisch auf einem Flüssigkristall-Bildschirmchen (LCD, Größe z. B. 131 x 64 Pixel) ausgeben. Man kann Drucker und PC daran anschließen und das Betriebssystem des Taschenrechners aktualisieren.
Beispiele dafür sind der HP 49G und der TI-89.

 

Schlußwort

Das Streben nach Erleichterung von Berechnungen brachte im Laufe der vergangenen Jahrhunderte verschiedene Hilfsmittel hervor. Einige davon wurden in diesem Beitrag vorgestellt. Es gab noch viele andere Entwicklungen, die sich nicht durchsetzten oder in Vergessenheit gerieten.

Auch die Genauigkeit des Ergebnisses war für den Erfolg einer Methode ausschlaggebend.

Der Abakus und die Vier-Spezies-Rechenmaschinen rechnen in Rahmen der vorhandenen Stellenzahl beim Addieren und Subtrahieren genau.

Bei den Logarithmen hängt die Genauigkeit der Berechnung von der Stellenzahl der Logarithmen ab.

Beim Rechenschieber sind die Ergebnisse nur auf drei oder vier signifikante Stellen genau. Für die Berechnungen eines Ingenieurs genügte diese Genauigkeit, weil z. B. bei statischen Berechnungen die Werte für Belastungen und Materialgüten ohnehin nur vorgeschriebene Annahmen waren.

Beim Taschenrechner wird intern mit höheren Stellenzahlen gerechnet und nur der gerundete Wert ausgegeben.

Die programmierbaren Computer (PC, Großrechner) ermöglichen beliebige Genauigkeit je nach Bauart, Programmierung und Berechnungsmethode (hochgenaue Berechnungen durch HGN-Algorithmen).


Quellenangabe

Fotos und Bilder stammen vom Autor, soweit nicht anders angegeben.

[1] Schaefer, Fünfstellige Logarithmen und Zahlentafeln, J. Lindauer Verlag (Schaefer), München, 1957.
Der Ausschnitt aus der Logarithmentafel (Abschnitt 1, Seite 6) ist diesem Buch entnommen.
[2] Walter Gellert, Handbuch der Mathematik, Buch und Zeit Verlagsges.m.b.H, Köln, 1972.
Die geschichtlichen Angaben über Logarithmen und Rechenschieber stammen aus diesem Buch.
[3] Bedienungsanleitung des Abakus: Copyright 1972, Robert Oscar Meier & Co, Bremen,
9. Auflage.
[4] Bedienungsanleitung der Walther-Rechenmaschine: Walther-Büromaschinen GmbH, Niederstotzingen/Württemberg, 1963.
[5] Bedienungsanleitung des Addiators: Rechenmaschinenfabrik C. Kübler, Berlin-Charlottenburg 2, Leibnizstraße 33, 1960.
[6] Hewlett-Packard GmbH, Frankfurt, 1973.

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