Finanzmathematik
auf dem HP 49G

Finanzmathematische Grundlagen, Finanzlöser des HP 49G und HP49-Programme

Die hier verwendete Notation ist in einem gesonderten Beitrag zusammengestellt.
Hier wird, wie in den übrigen Beiträgen auch, als Dezimalzeichen der Dezimalpunkt verwendet.

Inhalt

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Einleitung

Der HP 49G hat einen eingebauten Finanzlöser. Dieser löst zwar nicht die finanziellen Nöte des Anwenders, aber er erleichtert entsprechende Berechnungen.

HP-Dokumentationen dazu:

  1. Im HP 49G Benutzerhandbuch ist der Finanzlöser auf den Seiten 6-11 bis 6-13 beschrieben. Mit dieser spärlichen Dokumentation kann man kaum etwas anfangen, zumal die dort verwendeten englischen Bezeichnungen dem deutschen Benutzer nicht geläufig sein dürften.

  2. Auch im HP 49G Advanced Users Guide, Version 1.3, ist außer der Kurzbeschreibung der 5 Finanzlöserbefehle des HP 49G (AMORT, TVM, TVMBEG, TVMEND, TVMROOT) nichts Näheres darüber zu finden.

  3. Mehr darüber findet man im deutschen HP 48G Benutzerhandbuch. Dort ist auf den Seiten 18-14 bis 18-22 eine Beschreibung des Finanzlösers mit Beispielen und Bildern zu finden.

In diesem Beitrag werden die finanzmathematischen Grundlagen kurz umrissen und Beispiele für Berechnungen und Programme angegeben. Auch der Finanzlöser wird vorgestellt und seine Anwendung an Beispielen gezeigt.

 

Finanzmathematische Grundlagen

Im Göschenbändchen 1183/1183a aus dem Jahre 1967 beschreibt Prof. Dr. Marcel Nicolas, Freie Universität Berlin, den Begriff "Finanzmathematik" wie folgt:

(Zitat):
Unter "Finanzmathematik" versteht man die Anwendung mathematischer Methoden auf die Probleme des Bank- und Kreditwesens, die einer rechnerischen Behandlung zugänglich sind. In allen diesen Problemen spielt die Erscheinung des Zinses unmittelbar oder mittelbar eine entscheidende Rolle. Seine Betrachtung bildet deshalb die Grundlage des finanzmathematischen Denkens. ...

Für die Finanzmathematik ist der Zins ... der für Leihgeld zu zahlende Nutzungspreis.
(Zitatende).

In der Finanzmathematik werden hauptsächlich die in der Mathematik üblichen Grundlagen der geometrischen Reihen und andere Funktionen (Potenzen, Logarithmen, usw.) verwendet. Die finanzmathematischen Formeln sind auch auf Probleme anderer Bereiche (z.B. Versicherungsmathematik, Statistik, Betriebswirtschaft) übertragbar.

 

Abkürzungen und Formelzeichen der Finanzmathematik

Begriff Formelzeichen Beschreibung Bemerkung
Währung Eurozeichen: in Beispielen verwendet
Da manche Browser das Euro-Zeichen, wie es auf der PC-Tastatur mit [Strg]&[Alt]&[e] erzeugt wird, noch nicht "verstehen", wird hier ein Grafikzeichen dafür eingesetzt.
Der HP49G hat das Eurozeichen bereits im Zeichensatz. Es wird mit der Tastenfolge [ALPHA] [rightshift] [4] erzeugt.
Zinsfuß p Zahl auf ein Jahr bezogen
Zinssatz i = p/100
= 0.01 ·
p
=
p%
Faktor auf ein Jahr bezogen
Aufzinsungsfaktor qn = (1+i)n Faktor auf n Jahre bezogen
Abzinsungsfaktor 1/qn = 1/(1+i)n Faktor auf n Jahre bezogen
Kapital (allgemein) K Geldbetrag in jeweiliger Währungseinheit
Anfangskapital, Anfangswert, Anfangsschuld,
(einfacher) Barwert
K0 Geldbetrag in jeweiliger Währungseinheit
Endkapital Kn Geldbetrag in jeweiliger Währungseinheit
Zinsbetrag Zn Geldbetrag in jeweiliger Währungseinheit
Rate R Geldbetrag in jeweiliger Währungseinheit, für alle Zinsperioden gleich
Laufzeit n Anzahl für Zinsperioden, Raten
Annuität A Geldbetrag in jeweiliger Währungseinheit
Annuitätsfaktor, Kapitalwiedergewinnungsfaktor a Faktor bezogen auf K0
Barwert vorschüssig
Barwert nachschüssig
Bw'
Bw
Geldbeträge in jeweiliger Währungseinheit
Barwertfaktor, vorschüssig
Barwertfaktor, nachschüssig
bwf'
bwf
Faktoren bezogen auf die Rate R
Bezeichnungen des Finanzlösers
Time Value of Money
= Zeitwert für Geld
TVM Menübefehl Menü Nr. 80 des HP 49G
Nominaler jährlicher Zinsfuß I%YR Prozentzahl entspricht p = 100 · i
Aktueller Barwert = Anfangsbetrag (present value) PV Geldbetrag zu Beginn der ersten Zinsperiode, entspricht Bw
Rate (payment) PMT Geldbetrag entspricht R,
für alle Zinsperioden gleich
Zukunftswert,
Endwert, (future value)
FV Geldbetrag entspricht Kn
Zinsperioden,
Laufzeit
N Anzahl entspricht n
Die finanzmathematischen Berechnungen sind unabhängig von der Währungseinheit.
Definition und Umrechnung der Währungseinheiten siehe Beitrag "Einheiten".

 

Englische Begriffe des Finanzlösers:

Englisch Deutsch
Interest Zins oder Zinssatz, Abkürzung i
Balance Restschuld (sonst: Bilanz)
Payment Rate
Principal Tilgungsbetrag (sonst: Kapitalbetrag)
Present Value Anfangswert (Barwert)
Future Value Endbetrag (Zukunftswert)

 

Der Zins

Der Zins ist der Nutzungspreis (die Leihgebühr) für das geliehene Geld (Darlehen, Kredit). Man vereinbart für den auszuleihenden Geldbetrag (Kapital) von 100 Währungseinheiten den Preis von p Währungseinheiten als Zinsfuß p, der für eine gewählte Zeiteinheit, die Zinsperiode, die meist 1 Jahr ("p.a." = "per annum" oder "pro anno") beträgt, festgelegt ist.

Der Zinsfuß p ist also auf 100 Währungseinheiten bezogen.
Daraus leitet man den Zinssatz i = p/100 = 0.01 · p = p% ab.

In der Praxis werden die beiden Begriffe Zinsfuß p und Zinssatz i (reine Maßzahl) meist nicht klar getrennt, manchmal sogar verwechselt oder gleichgesetzt.

Merkregel:
Der Zinsfuß p ist auf 100 Währungseinheiten bezogen.
Der Zinssatz i = p/100 = p% = 0.01 · p ist auf 1 Währungseinheit bezogen.

Die Höhe des Zinsbetrages (Zinsen Zn) hängt von der geliehenen Geldsumme (Kapital K), dem Zinssatz i und der Anzahl n der Zinsperioden (Laufzeit n) ab.

Die Zinsen sind während der gesamten Laufzeit des Kredits jeweils

in gleichen Zinsbeträgen zu vereinbarten Zinsterminen zu entrichten.

Die Laufzeit n ist in die Zinsformeln stets in ganzzahligen Vielfachen einer Zinsperiode einzusetzen. Ist die Laufzeit kleiner als ein Jahr, dann ist proportional umzurechnen.

 

Einfache Zinsrechnung

Der Zinsbetrag Zn für n Jahre Verzinsung des Kapitals K mit dem Zinssatz i ergibt sich durch die

Einfache Zinsformel:

Zn = K · n · p/100 = K · i · n (Formel 1)

Das nach n Jahren Verzinsung des Kapitals K mit dem Zinssatz i erreichte Endkapital Kn berechnet man mit der

Endwertformel der einfachen Zinsrechnung:

Kn = K + K · i · n = K · (1 + i · n) (Formel 2)

Die einfache Verzinsung nennt man auch "lineare" Verzinsung, weil die Zinsen proportional zum Zinssatz i und zur Laufzeit n sind.

Beispiel 1:

Es sollen die Zinsen (hier geht es um "einfache" Zinsen auf das Anfangskapital K, noch keine Zinseszinsen!) für folgende Verzinsung berechnet werden:

Kapital: K = 1000
Zinssatz: i = 5% = 0.05
Laufzeit: n = 10 Jahre.

Die (einfachen) Zinsen betragen:
Z
10 = K · i · n =1000 · 0.05 · 10 = 500

Das Endkapital nach 10 Jahren beträgt dann:
K
10 = K + Z10 = 1000 + 500 = 1500 .

Oder mit der Endwertformel berechnet:
K10 = K · (1 + i · n) =1000 · (1 + 0.05 · 10) = 1000 · 1.50 = 1500

 

Unterjährige Zinszahlung, Tageszinsen

Wenn es sich nicht um Sparverträge mit vereinbarter (mehrjähriger) Laufzeit, sondern um kurzfristige Einlagen handelt, dann müssen die Zinsen tageweise berechnet werden. Für die "unterjährige" Verzinsung ist in Deutschland für die Laufzeiten festgelegt:

1 Jahr = 12 Zinsmonate zu je 30 Zinstagen = 360 Zinstage

Diese Vereinfachung war nötig, weil die Zinsen früher manuell oder mit einfachen Rechenmaschinen ausgerechnet werden mußten und auf diese Weise das Bankpersonal von den Launen unserer Zeitrechnung (verschiedene Monatslängen) befreit wurde.

Für tageweise zu berechnende Zinsen lautet die Zinsformel, wobei für die Anzahl der "Zinstage" die Bezeichnung d (days) genommen wird:

Zd = K · p/100 · d/360 = K · i · d/360 (Formel 3)

Beispiel 2:

Kapital: K = 1000
Zinssatz i = 5% = 0.05
Laufzeit: vom 05.05.2001 bis 07.12.2001

Berechnung der Laufzeit in Zinstagen:
05.05. bis 05.12. = 7 Monate zu 30 Tagen = 210 Tage
05.12. bis 07.12 = 2 Tage
insgesamt 210 + 2 = 212 Tage; d = 212.

Zd = Z212 = 1000 · 0.05 · 212/360 = 29.44

Bei niedrigerer Tageszahl des Endtermins, z. B. 25.05.2001 bis 12.10.2001, rechnet man bei der Ermittlung der Zinstage die Tage des letzten Monats zum Vormonat dazu.

Z. B. vom 25.05. bis (30+12).09. = 25.5. bis 42.09.
= 4 · 30 + (42-25) = 120 + 17 = 137 Tage.

Bemerkung zur unterjährigen Zinszahlung:

In angelsächsischen Ländern wird mit der tatsächlichen Monatslänge gerechnet, jedoch mit einem Jahr einheitlicher Länge von 365 Tagen (ein evtl. Schalttag wird nicht berücksichtigt).

Wenn im EU-Ausland kurzfristige Kredite aufgenommen werden oder Geld angelegt wird, dann ist zu berücksichtigen, daß dort die Anzahl der Zinstage anders als in Deutschland berechnet wird. Es ist zu empfehlen, die Bank vorher zu fragen.

Im Computerzeitalter ist aber die Vereinfachung der Berechnung kein Argument mehr, so daß eine Vereinheitlichung zu erwarten ist.

 

Zinseszinsrechnung

Zinseszinsen sind gemäß § 248 BGB, Absatz 1, verboten.

Dort heißt es: "Eine im voraus getroffene Vereinbarung, daß fällige Zinsen wieder Zinsen tragen sollen, ist nichtig". Eine Ausnahme läßt der Absatz 2 des § 248 BGB für Sparkassen, Kreditanstalten und Banken zu. Bei Einlagen können nicht abgehobene Zinsen als neue verzinsliche Einlage gelten. Dieser Absatz 2 ist die Hauptgeschäftsgrundlage der Banken und Sparkassen.

Bei verzinslich angelegten Geldbeträgen (Sparverträgen, Sparbüchern) werden die Zinsen nicht regelmäßig ausbezahlt, sondern nach Ablauf des Jahres dem verzinsten Kapital zugeschlagen und im nächsten Jahr mitverzinst. Weil die Zinsen auf diese Weise wieder verzinst werden, spricht man von Zinseszinsen.

Zinseszinsformel:

Herleitung der Zinseszinsformel
(der Multiplikationspunkt ist entbehrlich, wird aber der Deutlichkeit halber hier verwendet):

Anfangskapital K0 am Beginn des 1. Jahres.

Endkapital am Ende des 1. Jahres bzw. Anfang des 2. Jahres:
K1 = K0 + K0 · i = K0 · (1+i) = K0 · q.

Endkapital am Ende des 2. Jahres bzw. Anfang des 3. Jahres:
K2 = K1 + K1 · i = K1 · (1+i) = K0 · (1+i) · (1+i) = K0 · q2.

Endkapital am Ende des 3. Jahres bzw. Anfang des nächsten Jahres:
K3 = K2 + K2 · i = K2 · (1+i) = K0 · (1+i) · (1+i) · (1+i) = K0 · q3.

Endkapital am Ende des n-ten Jahres:
Kn = Kn-1 + Kn-1 · i = Kn-1 · (1+i) = K0 · (1+i)n = K0 · qn.

Ein Anfangskapital K0 wächst nach n Zinsperioden mit dem Zinssatz i und der jeweiligen Wiederverzinsung der aufgelaufenen Zinsen auf das Endkapital Kn an, dabei gilt q = 1 + i :

Kn = K0 · (1+i)n = K0 · qn (Formel 4)

Den Faktor Kn/K0 = qn = (1+i)n nennt man Aufzinsungsfaktor. Er gibt an, auf welches Vielfache das Anfangskapital nach n Zinsperioden mit dem Zinssatz i und der jeweiligen Wiederverzinsung der aufgelaufenen Zinsen angewachsen ist.

Wenn die yx-Funktion des HP 49G zur Berechnung des Aufzinsungfaktors benutzt wird, dann sind alle (früher notwendigen) Aufzinsungstabellen entbehrlich.

Beispiel 3:

Berechnung der Zinseszinsen für obiges Beispiel 1:

Kapital: K0 = 1000
Zinssatz: i = 5% = 0.05; q = 1 + i = 1.05
Laufzeit: n = 10 Jahre.

Die Endkapital beträgt einschließlich Zinseszinsen:
K
10 = 1000 · 1.0510 = 1000 · 1.62889 = 1628.89 ,
(gegenüber 1500 bei einfachen Zinsen in obigem Beispiel 1).

 

Abzinsung

Die Zinseszinsformel in der ursprünglichen Form berechnet durch Multiplikation des Anfangskapitals mit dem Aufzinsungsfaktor das Endkapital.

Man kann die Formel umstellen und berechnen, welches Anfangskapital (Barwert) man verzinslich anlegen muß um ein bestimmtes Endkapital zu erreichen. Dazu muß man dieses vorgegebene Endkapital abzinsen (diskontieren), indem man es durch den Aufzinsungsfaktor teilt. Der zum Abzinsen verwendete Zinssatz i wird auch Diskontsatz genannt.

K0 = Kn/qn = Kn · q -n = Kn · 1/(1+i)n (Formel 5)

Der Faktor

K0/Kn = q -n = 1/(1+i)n = (1+i) -n (Formel 6)

wird Abzinsungsfaktor genannt. Er ist der Kehrwert des Aufzinsungsfaktors. Auch hierfür gab es früher Tabellen, die nun dank der Taschenrechnerfunktionen yx und 1/x entbehrlich sind.

Bei der einfachen Verzinsung ist der Abzinsungsfaktor K0/Kn = 1/(1 + i · n ), wie man aus obiger Endwertformel (Formel 2) der einfachen Zinsrechnung leicht ermitteln kann.

Berechnung von Laufzeit und Zinssatz aus den anderen Größen der Zinseszinsformel

Durch Umstellung der Zinseszinsformel kann man auch die Laufzeit n oder den Zinssatz i aus den übrigen Größen berechnen.

Laufzeit n:

Formeln 7: Ableitung der Formel für die Laufzeit nFormeln 7

Hier wurde willkürlich der dekadische Logarithmus log gewählt. Man kann auch den natürlichen Logarithmus ln bei der Herleitung der Formeln verwenden.

Zinssatz i :

Formeln 8:Ableitung der Formel für den Zinssatz iFormeln 8

Zinseszinsrechnung bei unterjähriger Zinszahlung

Es ist auch möglich, anstelle der jährlichen Verzinsung eine kürzere Zinsperiode zu wählen, z.B. halbjährlich oder monatlich, wobei nach Ablauf der Zinsperiode die Zinsen berechnet und zum verzinsenden Kapital addiert (zugeschlagen) werden. Ab diesem Zeitpunkt werden die Zinsen mitverzinst.

Dies führt zu einem größeren Endwert als bei jährlicher Zinszahlung.

Meist werden Zinsperioden von der Länge des m-ten Teiles eines Jahres vereinbart. Für die halbjährliche Zinszahlung (Zinszuschlag) gilt m = 2 und für die monatliche m = 12. Die Laufzeit n wird nach wie vor in Jahren angegeben.

In n Jahren gibt es dann m · n Zinsperioden. Ist i der nominelle Jahreszinssatz, so ist der auf die Zinsperiode bezogene effektive Zinssatz gleich i/m .

Die Zinseszinsformel für unterjährige Zinszahlung lautet dann:

Formel 9: Zinseszinsformel für kurze Zinsperioden < 1 JahrFormel 9

Durch Umstellung dieser Formel können dann Barwerte, Laufzeit und Zinssatz aus den anderen Größen ermittelt werden. Der Leser möge diese Formelumstellungen selber vornehmen.

Grenzwert

Bei extrem kurzer Zinsperiode, wenn m in Formel 9 nach unendlich strebt ("kontinuierliche Verzinsung" oder "Augenblicksverzinsung" genannt), ergibt sich der Grenzwert des erreichbaren Endwerts K'n :

K'n = K0 · ei·n (Formel 10)

wobei e = 2.718281828... die Basis des natürlichen Logarithmus ist. Die Herleitung dieser Formel wird hier nicht gezeigt.

Beipiel 3a:

Kapital K0 = 1000
Zinssatz i = 0.05 = 5%
Laufzeit n = 10 Jahre.
Die Berechnung soll für jährlichen (m = 1), monatlichen (m = 12) und täglichen (m = 360) Zinszuschlag und für die Augenblicksverzinsung durchgeführt werden.

Der monatliche Zinszuschlag kommt schon ziemlich nahe an den Grenzwert heran,
so daß ein m > 12 nicht zweckmäßig erscheint.

Aus der Verkürzung der Zinsperioden resultieren besondere Begriffe und andere damit verbundene Feinheiten. Auch die nachfolgenden Formeln für Rentenberechnung (Kapitalbildung durch Ratenzahlungen) und die daraus zu ermittelnden Barwerte können für verkürzte Zinsperioden abgeleitet werden. In diesem Einführungsbeitrag werden diese Besonderheiten nicht behandelt.

 

Kapitalbildung durch Ratenzahlungen

Alle oben abgeleiteten Formeln beziehen sich auf ein einziges Kapital K.

Kapitalbildung erfolgt aber meist über regelmäßige Einzahlungen, die sich im Laufe der Zeit mit Zins und Zinseszins zu einem Endwert Kn summieren.

Unter "Rente" versteht man in der Finanzmathematik eine verzinsliche Zahlung, die in mehreren Teilbeträgen, den Rentenraten R1 bis Rn, erfolgt. Meist gilt die Voraussetzung, daß die einzelnen Raten gleich sein sollen:
R
= R1 = R2 = ... = Rn.

Vorschüssig, nachschüssig

Die Ratenzahlungen R können entweder am Anfang (vorschüssig) oder am Ende (nachschüssig) jeder Zinsperiode erfolgen.

Bei der nachschüssigen Rente erfolgt die erste Zahlung am Ende der 1. Zinsperiode, wirkt sich also erst ab Beginn der 2. Zinsperiode bei den Zinsen aus. Die letzte Ratenzahlung erfolgt am Ende der Laufzeit und hat auf die Zinsen keinen Einfluß mehr. Diese Form wird bei Abzahlung von Krediten verwendet, bei der Zins- und Tilgungsbeträge jeweils am Ende der Zinsperiode bezahlt werden.

Bei Sparverträgen, Versicherungsverträgen und anderen Kapitalbildungsformen werden die Raten vorschüssig bezahlt. Jede Rate wird am Beginn der Zinsperiode eingezahlt und ab diesem Zeitpunkt verzinst. Die letzte Rate wird am Beginn der letzten Zinsperiode eingezahlt und bis zum Ende der Laufzeit verzinst.

Rentenendwert, Kapitalendwert

Endwert bei vorschüssiger Ratenzahlung:

Wenn man n Jahre lang am Anfang jeden Jahres (vorschüssig) den gleichen Betrag R einzahlt, so erreicht man am Ende des n-ten Jahres nach Verzinsung mit dem Zinssatz i (wobei gilt: q = 1+i) folgenden Endwert:

Formel 11: Endwert aus vorschüssigen ZahlungenFormel 11

Diese Formel wird z. B. für die Berechnung der Auszahlungssumme einer Lebensversicherung verwendet. Am Anfang jedes Jahres werden die Prämien eingezahlt, die sich über n Jahre verzinslich ansammeln. Am Ende wird eine Summe ausgezahlt, die sich aus Versicherungssumme und Kapitalertrag zusammensetzt. Wenn man den Zinssatz kennt, der wegen des Risikoabschlags etwas kleiner als die bankübliche Verzinsung ist, kann man die voraussichtliche Auszahlungssumme zum Ende der Laufzeit selbst berechnen.

Beispiel 4:

Ein anfangs 30-jähriger Versicherungsnehmer zahlt 35 Jahre lang am
Anfang jedes Jahres 600 in seine Lebensversicherung ein. Er schätzt den Zinssatz auf 6 %. (Die vertragliche Versicherungssumme beträgt 600 · 35 = 21000 )

Er rechnet sich für seinen 65. Geburtstag folgende Auszahlungssume aus, die sich aus Versicherungssumme und Kapitalertrag zusammensetzt:

Kn = 600 · 1.06 · (1.0635 - 1) / 0.06 = 600 · 118.12087 = 70872.52

Der Zinssatz wird jedoch in den Versicherungsverträgen nicht angegeben, so daß man ihn später aufgrund der angekündigten oder tatsächlichen Auszahlungssumme selbst ermitteln muß (siehe Beispiel 9).

 

Endwert bei nachschüssiger Ratenzahlung:

Wenn man n Jahre lang am Ende jeden Jahres (nachschüssig) den gleichen Betrag R einzahlt, so erreicht man am Ende des n-ten Jahres nach Verzinsung mit dem Zinssatz i (wobei gilt: q = 1+i) folgenden Endwert:

Formel 12: Endwert aus nachschüssigen RatenFormel 12

Die Herleitung der Formeln 11 und 12 wird hier nicht gezeigt.

Die Umstellung der Formeln zur Berechnung der Laufzeit n aus den übrigen gegebenen Daten dürfte dem Leser keine Schwierigkeiten bereiten.

Nicht lösbare Gleichungen durch Umstellen nach Zinssatz i

Soll der Zinssatz i aus den übrigen gegebenen Daten berechnet werden (wie z. B. für den Ertrag einer Lebensversicherung, siehe Beispiel 4 und Beispiel 9), so führt die Umstellung der Formeln 11 und 12 zu nicht auflösbaren Gleichungen höheren Grades. Diese müssen iterativ gelöst werden. Ein entsprechendes Programm (ZINSS) wird am Schluß des Beitrages angeboten. Aber auch mit dem Finanzlöser des HP 49G ergibt sich eine Lösung, wenn man die Eingaben richtig wählt (siehe unten).

 

Barwert

Das Ergebnis der Abzinsung, also der Betrag, den man anfangs zur Verfügung stellen muß, um das angegebene Endkapital durch Verzinsung nach einer vorgegebenen Zeit zu erzielen, nennt man Barwert.

Bei einem fest vorgegebenen Endkapital läßt sich der Barwert durch einmalige Abzinsung mit q -n berechnen (siehe Formel 6). Schwieriger wird die Berechnung des Barwerts, wenn regelmäßige Zahlungen (Raten), die nach bestimmter Zeit mit Zins und Zinseszinsen zu einem Endbetrag auflaufen werden, bereits anfangs durch einen einmaligen Betrag (den Renten-Barwert) abgelöst werden sollen.

Zur Unterscheidung vom (einfachen) Barwert K0 eines einzigen abgezinsten Betrages wird hier in diesem Beitrag der aus regelmäßigen Ratenzahlungen zu ermittelnde (Renten-)Barwert mit dem Formelzeichen Bw bezeichnet.

Praktische Anwendung des Barwerts

Der Barwert wird nicht nur berechnet, wenn man den Betrag ermitteln will, den man heute anlegen müßte, um nach einer gewissen Zeit durch Verzinsung einen angestrebten Wert zu erreichen, sondern auch dann, wenn eine zu einem späteren Zeitpunkt fällige Forderung vorzeitig abgelöst werden soll. In diesem Fall wird der Schuldner (Käufer) die Forderung um die noch bis zum Fälligkeitszeitpunkt zu erwartenden Zinsen kürzen, die ja nun dem Gläubiger zufließen, weil er das Geld früher zurückbekommen hat. Bei Geschäften mit Wechseln wird der Wechsel als Zahlungsversprechen wie Bargeld gehandelt. Falls er vor dem Fälligkeitszeitpunkt verkauft wird, muß er entsprechend abgezinst (diskontiert) und zum Barwert der Wechselsumme verkauft werden.

Beispiel 5: Wirtschaftlichkeitsberechnung

Bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen zur Beurteilung der verschiedenen Varianten von Baumaßnahmen oder Anschaffungen müssen die zu verschiedenen Zeitpunkten zu zahlenden Geldbeträge wertmäßig miteinander verglichen werden können, um die wirtschaftlichste Lösung herauszufinden. Um die Varianten vergleichen zu können, müssen die Beträge zunächst durch entsprechendes Auf- oder Abzinsen auf ein und denselben Zeitpunkt bezogen werden. Dieser Vergleichszeitpunkt kann an und für sich beliebig gewählt werden, da bei gleichem Zinssatz das Verhältnis der Zeitwerte in jedem beliebigen Zeitpunkt das gleiche ist. Meist jedoch werden alle Werte auf einen Anfangszeitpunkt (Zeitpunkt der Finanzierung) bezogen, aus deren Summe sich dann der Barwert ergibt.

Um unterschiedliche Beträge, die noch dazu zu unterschiedlichen Zeiten fällig sein können, abzuzinsen, legt man eine Tabelle an (Tabellenkalkulation!), weil in diesem Fall der Barwert nicht durch eine geschlossene Formel ermittelt werden kann. Hierbei können auch unterschiedliche Zinssätze für einzelne Beträge berücksichtigt werden, wenn die Konditionen verschiedener Banken zusätzlich verglichen werden sollen.

Beispiel 6: Kapitalisierung von laufenden Zahlungen

Bei der Finanzierung von Projekten muß man berücksichtigen:

Da die laufenden Kosten (z. B. Kosten für regelmäßige vorgeschriebene Wartung) erst später zu bezahlen sind, müssen sie kapitalisiert werden, indem der Barwert ermittelt und mitfinanziert wird.

 

Barwertfaktoren

Der Barwertfaktor bwf für nachschüssige Zahlungen gibt an, welches Vielfache der Rate man als Anfangskapital (Barwert Bw) anlegen muß, um die regelmäßigen nachschüssigen Zahlungen der n Raten nach Verzinsung mit dem Zinssatz i zu den Fälligkeitszeitpunkten damit abzudecken (zu kapitalisieren).

Wenn vorschüssige Zahlungen geleistet werden sollen, ist der Barwertfaktor bwf' zu verwenden.

Da der Barwert und nach Auszahlung der jeweiligen Rate der verbleibende Restbetrag solange weiter verzinst wird, bis er aufgezehrt ist, muß man weniger als n Raten anlegen, weil die Zinsen mit ausbezahlt werden. Es muß also gelten: bwf < n und bwf' < n.

Nachschüssiger Barwert:

Bw = bwf · R (Formel 13)

Vorschüssiger Barwert:

Bw' = bwf' · R (Formel 14)

Auszahlung von n Raten:

Kn = n · R (Formel 15)

Die Differenz (n - bwf) · R bzw. (n - bwf' ) · R ist der Zinsbetrag, der durch die Kapitalisierung der Raten erzielt wird.

 

Herleitung der Formel für den Barwertfaktor b

Der Barwertfaktor bwf für n gleiche Raten R bei einer Verzinsung mit dem Zinssatz i ist die Summe der Abzinsungsfaktoren für die Zahlungen der Jahre 1 bis n.

Weil es sich um gleiche Raten R handelt, kann man für den Barwertfaktor eine geschlossene Formel angeben.

Herleitung der Formel für nachschüssige Zahlungen

Der Barwertfaktor bwf für nachschüssige Ratenzahlungen ist am gebräuchlichsten. Der Barwertfaktor bwf' für vorschüssige Zahlungen läßt sich sehr einfach aus bwf berechnen.

Als Grundlage werden die Formeln 12 , 13 und 15 und q = 1 + i verwendet.

Ableitung des Barwertfaktors bwf

Daraus ergibt sich:

Formel 16: Barwertfaktor bwf für nachschüssige Zahlungen Formel 16

Da vorschüssige Zahlungen am Beginn der Zinsperiode bezahlt und in derselben Zinsperiode noch mitverzinst werden, ist die Verzinsung um den Faktor q = 1 + i höher als bei nachschüssigen Zahlungen.

Der vorschüssige Barwertfaktor ist deshalb

Formel 17: Barwertfaktor für vorschüssige Zahlungen Formel 17

Beispiel 7:

Eine Person hat sich verpflichtet, einer anderen Person 5 Jahre (n = 5) lang am Ende jedes Jahres 1000 (R = 1000) zu bezahlen. Welcher Betrag (Bw) muß verzinslich mit einem Zinssatz von 5% (i = 0.05) zu Beginn des 1. Jahres angelegt werden, damit aus dem angelegten Betrag und den daraus resultierenden Zinserträgen diese Verpflichtung erfüllt werden kann?

Es handelt sich um nachschüssige Zahlungen.

Der Barwertfaktor wird mit den Werten q = 1 + i = 1.05 und n = 5 berechnet:
bwf = (1.055-1) / (1.055 · 0.05) = 4.32948.
Der Barwert ist Bw = 1000 · 4.32948 = 4239.48 .

Tabelle 1 zur Probe:

Hier werden zur Anschauung die einzelnen Zahlungen sowie Zinsen und Restbetrag schrittweise verfolgt und in der Tabelle für jedes Jahr aufgelistet.

  Zu Jahresbeginn am Jahresende
Jahr Bw oder Restbetrag
+ 5% Zinsen
-Auszahlung
Restbetrag
1. Bw = 4329.48 + 216.47 -1000 3545.95
2. 3545.95 + 177.30 -1000 2723.25
3. 2723.25 + 136.16 -1000 1859.41
4. 1859.41 + 92.97 -1000 952.38
5. 952.38 + 47.62 -1000 0.00
Summen: 664.52 5000  

Der Barwert 4329.48 und die Zinsen 664.52 ergeben zusammen die ausgezahlte Summe von 5000 .

Die nach Tabelle ermittelten Zinsen ergeben sich auch nach der Formel:
(n - bwf) · R = (5 - 4.32948) · R = 0.66452 · R = 664.52

 

Annuität und Annuitätsfaktor

Bei der Abzahlung (Amortisation) von Krediten kann man zwei Wege wählen:

  1. Ratenschuld:
    Die jährliche Zahlung setzt sich aus einer gleichbleibenden Tilgungsrate (Tilgungsquote) und den Zinsen auf den Schuldrest, der zum Zahlungstermin noch vorlag, zusammen. Da durch jeden Tilgungsbetrag die restliche Schuld kleiner wird, sind jährlich kleiner werdende Zinsbeträge zu zahlen. Diese Zahlungsweise ist für den Schuldner umständlich, weil er genau Buch führen muß, um die Höhe der nächsten Zahlung zu ermitteln.
  2. Annuitätenschuld:
    Einfacher ist es, jährlich einen gleichbleibenden Betrag A zu zahlen, der sich ebenfalls aus der Tilgung und den Zinsen auf den Schuldrest zusammensetzt. Da die Schuld im Laufe der Zeit kleiner wird, nimmt der Anteil der Zinsen ab und die Tilgungsquote steigt entsprechend an. Bei dieser Zahlungsweise nennt man den gleichbleibenden Betrag A Annuität.

Kann man bei der Ratenschuld die Rückzahlungsbeträge noch mit einfachen Rechenvorgängen (4 Grundrechenarten) ermitteln, bedarf es zur Berechnung der Annuität einer Formel.

Diese Formel stützt sich auf folgende Voraussetzung:
Damit die gestellte Bedingung der Annuitätenschuld erfüllt ist, muß der Zeitwert aller Annuitäten A zu Beginn gleich der Anfangsschuld K0 sein. Die Annuitäten A können also als Raten einer n-mal zahlbaren nachschüssigen Rente aufgefaßt werden, deren Barwert gleich K0 zu setzen ist:

A · bwf = K0

Man erhält daraus die Beziehung

A = (1/ bwf ) · K0

Setzt man 1/bwf = a, so erhält man den Annuitätsfaktor a , der im betriebswirtschaftlichen Bereich auch Kapitalwiedergewinnungsfaktor genannt wird. Die Herleitung dieser Formel wird hier nicht gezeigt.

Formel 18: Annuität und Annuitätsfaktor Formeln 18

Der Annuitätsfaktor a ist also der Kehrwert des (nachschüssigen) Barwertfaktors bwf . Der zweite Name Kapitalwiedergewinnungsfaktor für denselben Vorgang ergibt sich im betriebswirtschaftlichen Bereich. Dort wird am Schluß jedes Jahres aus den Erträgen, die z. B. nach Kauf einer Maschine damit erzielt wurden, regelmäßig ein bestimmter Betrag A für die Ersatzbeschaffung zurückgelegt, die nach n Jahren Nutzungsdauer fällig ist.

Beispiel 8:

Als Beispiel für den Annuitätsfaktor werden die oben schon im Beispiel 7 für den Barwertfaktor verwendeten Zahlen und die dort gezeigte Tabelle 1 genommen. In einer zweiten ausführlichen Tabelle 2 wird unten gezeigt, wie sich Zinsen und Tilgungsbeträge verändern. Man kann feststellen, daß beide Tabellen in den Hauptspalten identisch sind.

Aufgabenstellung für Annuität:
Eine Firma hat für den Kauf eines Computers bei der Bank einen Kredit von 4329.48 aufgenommen. Nach 5 Jahren ist die Nutzungsdauer des Computers abgelaufen, so daß er dann abbezahlt sein muß. Welchen gleichbleibenden Betrag A (Annuität) muß die Firma jedes Jahr mit dem Computer (mindestens) erwirtschaften (in die Verkaufspreise ihrer Produkte einkalkulieren), damit am Ende jedes Jahres der Betrag A gezahlt werden kann. Nach 5 Jahren darf keine Restschuld mehr bestehen.

Aufgabenstellung für die Kapitalwiedergewinnung:
Die Finanzabteilung einer Firma stellt einen Betrag von 4329.48 aus einem Bankguthaben für einen Computerkauf zur Verfügung. Welchen gleichbleibenden Betrag A (Annuität) muß die Firma jedes Jahr mit dem Computer erwirtschaften, damit das Geld (und die entgangenen Zinsen) innerhalb 5 Jahren wieder in die Firmenkasse zurückfließt (und dann wieder neu angelegt werden kann).

Für beide Aufgabenstellungen kann derselbe Lösungsweg benutzt werden.
Zuerst wird der Annuitätsfaktor (Kapitalwiedergewinnungsfaktor)
für i = 0.05 und n = 5 berechnet:
a = 0.05 · 1.055/(1.055 - 1) = 0.23097.

Nun wird die Annuität für K0 = 4329.48 berechnet:
A = a · K0 = 0.23097 · 4329.48 = 1000 .

Der jährlich zu zahlende Betrag für Zins+Tilgung beträgt also A = 1000 .

Tabelle 2 als Probe (siehe auch Tabelle 1 für obiges Beispiel 7)

  Zu Jahresbeginn am Jahresende
Jahr Anfangsschuld oder
Restschuld aus Vorjahr
Annuität

= 5% Zinsen

+ Tilgung

Restschuld

1. K0 = 4329.48 1000.00 216.47 783.53 3545.95
2. 3545.95 1000.00 177.30 822.70 2723.25
3. 2723.25 1000.00 136.16 863.84 1859.41
4. 1859.41 1000.00 92.97 907.03 952.38
5. 952.38 1000.00 47.62 952.38 0.00
Bezahlte Summen: 5000.00 664.52 4329.48  

 

Der Finanzlöser des HP 49G

Der Finanzlöser ("Finance Solver") des HP 49G kann nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn der Anwender die dabei auftretenden Begriffe der Finanzmathematik im Grundsatz kennt.

Das Prinzip

Der Finanzlöser enthält TVM-Funktionen (TVM = "Time Value of Money" = "Zeitwert für Geld") für Finanzierungs- und Amortisationsberechnungen. Mit diesen Funktionen kann man Zinseszinsen und Amortisationen berechnen.

Berechnung über Eingabemaske

Nach Aufruf des Finanzlösers durch [leftshift][FINANCE] = [leftshift][9] erscheint eine Eingabemaske (INFORM-Maske, siehe auch den Beitrag "Einkommensteuer"), in die man die Werte eingeben kann.

Der Finanzlöser ist so aufgebaut, daß alle Daten in diese Maske eingegeben werden können, nur das Feld für den zu berechnenden Wert braucht nicht ausgefüllt zu werden. Wenn im gleichzeitig angezeigten Menü der Maske für dieses Feld die Funktion SOLVE freigegeben ist, dann kann man damit den gewünschten Wert berechnen.

Berechnungsvorgang:

  1. Ausfüllen der Maske.
  2. Cursor auf das gewünschte Ergebnisfeld stellen und es damit markieren.
  3. Funktionstaste für SOLVE drücken.
  4. Das Ergebnis wird aus den übrigen Daten berechnet und ins markierte Feld geschrieben. Der vorherige Wert des Ergebnisfeldes wird durch das berechnete Ergebnis überschrieben.

Wenn der Zinssatz I%YR aus den übrigen Daten berechnet werden soll, bringt der Finanzlöser nach Ausführung von SOLVE manchmal die Fehlermeldung "No Solution!". Die Ursache liegt in den Formeln 11 und 12, die sich nicht nach dem Zinssatz i auflösen lassen (siehe oben). Doch in den meisten Fällen findet er auch hier die richtige Lösung, wenn man die Vorzeichen richtig wählt (siehe unten).

Berechnung über Menü TVM

Wer die Eingabemaske nicht nutzen möchte, kann das Menü TVM (Menünummer 80.01) benutzen, das mit dem Befehl TVM aufgerufen wird. Die Variablennamen sind in hellen umrandeten Menüfeldern zu sehen. Die Werte können in den Stack gestellt und dann durch Drücken auf die Menütaste in die gewünschten Variable gespeichert werden.

Eingabemaske und Menüs greifen auf dieselben Variablen zu, die sich im aktuellen Verzeichnis befinden.

 

Berechnungen

Hier soll obiges Beispiel 8 (Abzahlung eines Kredits) mit dem Finanzlöser nochmals komplett durchgerechnet werden.

Nach Aufruf des Finanzlösers werden die Werte eingegeben. Bild 1 zeigt die ausgefüllte Maske, die mit TIME VALUE OF MONEY bezeichnet ist.

Dann wird das Feld PMT markiert und SOLVE gedrückt. Das Ergebnis ist in Bild 2 zu sehen. Für die Annuität A (PMT) ergibt sich der Wert -1000, also eine Verringerung der Schuld.

Bild 1:
Bild 1: Ausgefüllte Maske
Bild 2:
Bild 2: Ausgerechneter Wert PMT

 

Amortisation schrittweise

Die Daten aus Bild 2 bleiben als Ausgangwerte für eine Amortisationsberechnung stehen.

Die Menüfunktion SOLVE wurde soeben benutzt. Ohne die Werte der Maske zu verändern, wird mit [F5] in das Verzeichnis AMOR (Amortisation) gewechselt. Es erscheint eine neue Maske, die mit AMORTIZE überschrieben ist (Bild 3). Der Wert bei "Payments:" gibt an, wieviele Amortisationsschritte (Zahlungen) man auf einmal durchführen möchte. Die vorgegebene 1 bleibt dort stehen.

Bild 3:
Bild 3: Maske AMORTIZE
Bild 4:
Bild 4: Abzahlungsdaten für das 1. Jahr

Mit [F6] wird die Menüfunktion AMOR gestartet. Die Maske füllt sich mit Daten, wie man auf Bild 4 sehen kann.

Bei Betrachtung der Tabelle 2 fällt auf, daß die jetzt in AMORTIZE befindlichen Daten den Daten des 1. Jahres dieser Tabelle entsprechen:

Wieder folgt 1 Schritt mit Payment = 1. Nun B->PV (Balance to Present Value = Restschuld als Anfangswert) aktiviert werden. Damit wird die Restschuld als Anfangswert einer neuen Berechnung in vorherige TIME VALUE OF MONEY-Maske übernommen, die aber nicht sichtbar ist. Erneutes Drücken der Menütaste AMOR in der momentan sichtbaren AMORTIZE-Maske zeigt die Daten für das 2. Jahr der Tabelle (siehe Bild 5). Die Wiederholung von B->PV und AMOR zeigt die Daten für das 3. Jahr (Bild 6):

Bild 5:
Bild 5: Daten für 2. Jahr
Bild 6:
Bild 6: Daten für das 3. Jahr

Weitere 2 Schritte mit je B->PV und AMOR führen zu den Bildern 7 und 8, welche die Daten für das 4. und 5. Jahr zeigen. Der angezeigte Wert 5.4 · 10-9 für die Restschuld (Balance) am Ende der Laufzeit resultiert aus den Auf- und Abrundungen für die Pfennigbeträge und kann zu Null gesetzt werden..

Bild 7:
Bild 7: Daten für das 4. Jahr
Bild 8:
Bild 8: Daten für das 5. Jahr

Wenn man nun den Finanzlöser durch zweimaliges [ON] verläßt, sieht man im Stack alle berechneten Werte mit einer Marke, einem "TAG" (zu ->TAG siehe Handbuch). Außerdem sind im aktuellen Verzeichnis die Variablen N, I%YR, PV, PMT, PYR und FV angelegt worden, in denen die Werte der letzten Berechnung gespeichert sind.

Amortisationsstand zu einem bestimmten Jahresende

Die Daten des Bildes 2 sollen nun als Ausgangswerte dienen. Wie sieht der Stand der Amortisation am Ende des 2. Jahres aus?. Mit AMOR wird die Maske AMORTIZE aufgerufen und dort Payments =2 gesetzt. Nach AMOR und sieht man das Ergebnis (Bild 9). Die Menüfunktion B->PV wird jetzt nicht verwendet.

Bild 9:
Bild 9. Zustand nach dem 2. Jahr
  • Payments = 2 zeigt den Zustand nach dem 2. Jahr.

  • Principal = -1606.23 ist die Summe der bisher bezahlten Tilgungsbeträge (783.53 + 822.70)

  • Interest = -393.77 ist die Summe der bisher bezahlten Zinsen (216.47 + 177.30)

  • Balance = 2723.25 ist die Restschuld nach dem 2. Jahr.

Ein Vergleich mit Tabelle 2 bestätigt die Richtigkeit der Werte.

 

Berechnung über TVM-Menü

Das Menü TVM funktioniert ähnlich wie die AMORTIZE-Maske. Es wird über den Befehl TVM oder über 80 MENU aufgerufen.

Es erscheint das TVM-Menü (Bild 10). Die Werte aus Bild 2 werden in die schon bekannten Variablen in den hell hinterlegten Menüfeldern eingespeichert. Für das Ende des 2. Jahres wird die Zahl 2 (entsprechend Payments = 2) in den Stack gestellt. Nun wird die Menüfunktion AMRT gestartet. Man erhält (wie in der Maske AMORTIZE) den Amortisationsstand nach dem 2. Jahr (Bild 11). Die Ergebnisse sind zu denen in Bild 9 identisch.

Bild 10:
Bild 10: TVM-Menü
Bild 11:
Bild 11: Ergebnis der TVM-Berechnung

 

Die TVM-Befehle

Im Befehlskatalog gibt es 5 TVM-Befehle:

Befehl Bedeutung
TVM Aufruf des TVM-Menüs
TVMBEG Einstellung der Berechnungsweise für vorschüssige Zahlungen, (Flag -14 = 1)
TVMEND Einstellung der Berechnungsweise für nachschüssige Zahlungen, (Flag -14 = 0)
TVMROOT berechnet den Wert einer TVM-Variablen aus den Werten der übrigen Variablen. Der Variablenname, z.B. 'PMT', ist in den Stack zu stellen. Nach Aufruf des Befehls steht das Ergebnis im Stack, ist aber nicht in der Variablen selbst gespeichert.
AMORT berechnet aus den Werten der TVM-Variablen eine Amortisation. Der Wert "Payments", z.B. 2 für den Stand nach dem 2. Jahr, muß im Stack stehen. Dieser Befehl funktioniert genauso wie die Menüfunktion AMRT im TVM-Menü.

 

HP49-Programme

Bei den Beispielen im Grundlagenteil dieses Beitrags wurde der HP 49G schon mit seinen mathematischen Funktionen manuell eingesetzt, indem die Zahlen eingegeben und über Potenzfunktion die Werte berechnet wurden. Der Finanzlöser deckt nur bestimmte Berechnungen ab, genügt aber nicht allen Erfordernissen, weil er z. B. den Barwertfaktor nicht angibt, den man dann über den Barwert per Tastatureingaben selbst berechnen muß.

Deshalb werden hier einige Programme gezeigt und angeboten, mit denen man Barwertfaktoren, Annuitäten und Endwerte von Ratenzahlungen im einzelnen berechnen kann, ohne an eine Masken- oder Menüumgebung gebunden zu sein.

Auch die Berechnung des Zinssatzes aus der Auszahlungssumme einer Lebensversicherung kann per Programm vorgenommen werden.

Übertragen der Programme

Für finanzmathematische Berechnungen stellt der Autor folgende Programme für den HP 49G als HP49-Verzeichnis FINANZ (Typ DIR, Checksumme #58835d, Größe 2472 Bytes) zur Verfügung:

Programm Berechnungsergebnis
KNVR Berechnung von kn = Kn/R bei vorschüssigen Ratenzahlungen nach Formel 11. Die Werte für Zinssatz i und Laufzeit n müssen im Stack stehen.
Kn = kn · R
KNNR Berechnung von kn = Kn/R bei nachschüssigen Ratenzahlungen nach Formel 12. Die Werte für Zinssatz i und Laufzeit n müssen im Stack stehen.
Kn = kn · R
ZINSS Berechnung des Zinssatzes i aus der Formel 11 (für vorschüssige Zahlungen).
Im Stack müssen die Werte für kn = Kn/R und Laufzeit n stehen.
BWFAK Berechnung des Barwertfaktors bwf für nachschüssige Ratenzahlungen.
Im Stack müssen Zinssatz i und Laufzeit n stehen.
BWDEF Funktionsgleichung für den Barwertfaktor bwf zur Aktivierung und Umsetzung durch die DEFINE-Funktion (siehe Beitrag DEFINE-Befehl).
Hinweis: In den Programmen wurde j als Variablenname anstelle von i für den Zinssatz verwendet, weil i bereits durch die Konstante für die imaginäre Einheit (Wurzel aus -1) belegt ist.

Die Programme laufen im RPN-Modus, sind selbsterklärend und können ohne Anleitung verwendet werden. Allerdings sollte man auch hier die nötigen Vorkenntnisse entsprechend obigem Grundlagenteil haben. Die Anwendung der Programme ZINSS, KNVR und BWFAK wird anschließend in einem Beispiel gezeigt.

Beispiel 9:

Berechnung des Zinssatzes der Auszahlungssumme einer Lebensversicherung:

Der 30-jährige Versicherungsnehmer (siehe Beispiel 4) zahlt 35 Jahre lang am Anfang jedes Jahres 600 in seine Lebensversicherung ein. Er schätzt den Zinssatz auf 6 %. Er hatte sich mit Formel 11 eine Auszahlungssumme von 70872.52 ausgerechnet.

In den jährlichen Mitteilungen seiner Versicherungsgesellschaft wird ihm jedoch eine Auszahlungssumme von 75000 angekündigt. Wie hoch ist der Zinssatz?

Zur Berechnung mit dem HP 49G wird das Programm ZINSS verwendet.

Zuerst muß der Endfaktor kn = Kn/R berechnet werden, der angibt, auf welches Vielfache einer Rate das Endkapital angewachsen ist: kn = 75000 / 600 = 125. Dies bedeutet, daß der Versicherungsnehmer nach Einzahlung von n = 35 Raten am Ende der Laufzeit den Wert von 125 Raten zurückbekommt. Das Verhältnis der ausgezahlten zur eingezahlten Summe beträgt 125/35 = 3.57.

Die Zahlen 125 und 35 werden in den Stack gestellt und das Programm ZINSS gestartet. Da eine direkte Berechnung (wegen der nicht lösbaren Gleichung) nicht möglich ist, berechnet das Programm das Ergebnis durch Iteration, also durch "Probieren", bis die Abweichung kleiner als 0.00000000001 ist. Das benötigt etwas Zeit. Dann gibt der Rechner das Ergebnis aus (siehe Bild 12). Die Variablen mit den berechneten Werten stehen im aktuellen Verzeichnis zur Verfügung (Bild 13).

Bild 12:
Bild 12: Zinssatzberechnung mit dem Programm ZINSS
Bild 13:
Bild 13: Ergebnisvariablen aus ZINSS

Die Inhalte der Variablen it = 28 (Iterationen), kn = 125 (Endfaktor), n = 35 (Anzahl der Raten), q = 1.06253819252 und j = 0.06253819252 (entspricht Zinssatz i) wurden in den Stack geholt, damit sie im Bild 13 gezeigt werden können. Mit LOE können die Variablen gelöscht werden.

Zur Nachprüfung dient das Programm KNVR (vorschüssige Raten).
(i =) 0.06253819252 und (n =) 35 wird in den Stack gestellt.
Ergebnis: kn = 125 (wie erwartet, siehe Bild 14).

Bild 14:
Bild 14: Probe durch das Programm KNVR

Nun noch der Barwert der Einzahlungen:

In den Stack wird eingegeben: (j =) 0.06253819252 und (n =) 35.
Nach Aufruf des Programms BWFAK erhält man den Barwertfaktor bwf = 14.07687.
Dieser muß noch mit q = (1 + i) = 1.06253819252 multipliziert werden, weil es sich bei den Raten um vorschüssige Zahlungen handelte:
bwf'
= 14.07687 · 1.06253819252 = 14.95722
Daraus ergibt sich der Barwert Bw = 14.95722 · 600 = 8974.33 .

Wäre diese Summe zu Vertragsbeginn als Gesamtbetrag einbezahlt worden, so hätte sie sich in 35 Jahren mit dem Zinssatz von 6.25% auf 75000 erhöht.
Probe mit Aufzinsungsfaktor (Formel 4): 8974.33 · 1.0625381925235 = 75000.00 .

Zinssatz mit dem Finanzlöser

Nun soll der Zinssatz für Beispiel 9 auch mit dem Finanzlöser ermittelt werden. Die Maske "TIME VALUE OF MONEY" wird, wie im Bild 15 gezeigt (bitte auf die Vorzeichen achten!), ausgefüllt und für I%YR wird der Wert 0 eingegeben. Dann wird die Berechnung für das markierte Feld I%YR mit SOLVE gestartet. Als Lösung steht dort dann der Wert I%YR: 6.253.... Nach Verlassen der Maske mit CANCEL zeigt der Bildschirm im Stack das Ergebnis (siehe Bild 16): I%YR = 6.25381925217.

Bild 15:
Bild 15: Zinssatz mit dem Finanzlöser ermitteln
Bild 16:
Bild 16: Ermittelter Zinssatz i = 6,25 ... %

Der Finanzlöser kommt also zu derselben Lösung wie das Programm ZINSS.

Vorzeichen beim Finanzlöser

Zu beachten sind bei der Zinssatzberechnung die Vorzeichen in den Feldern PMT und FV. Wenn man für beide Felder das gleiche Vorzeichen angibt, meldet der Finanzlöser "Error: No Solution".

Die Berechnung des Zinssatzes funktioniert nur mit gegensätzlichen Vorzeichen:
PMT = -600 und FV = 75000 oder auch mit
PMT = 600 und FV = -75000.

Die Vorzeichenfestlegung des Finanzlösers ist auf die Cash-Flow-Diagramme zurückzuführen, die die Barwerte meist negativ (als Darlehen) und die Zahlungen als zurückfließende Beträge (aus der Sicht des Darlehensgebers) positiv bewerten. Aus der Sicht des Schuldners kehren sich die Vorzeichen um. Beide Sichten kann man mit dem Finanzlöser darstellen.

 

Schlußwort

Bei der Ausbildung von Ingenieuren und Informatikern kommen die Fächer Finanzmathematik, Projektmanagement und betriebswirtschaftliche Methodik kaum vor. Dieser Beitrag kann deshalb den Berufsanfängern bei der wirtschaftlichen Beurteilung von Projekten eine erste Hilfe sein.

Die HP49-Entwickler statteten den Rechner mit den gezeigten Finanzfunktionen aus und setzen beim Anwender die Kenntnis der Grundlagen finanzmathematischer Berechnungen voraus. In der Praxis werden solche Berechnungen trotz der guten Finanzfunktionen der Computer und Taschenrechner oft fehlerhaft durchgeführt, weil entsprechende Beschreibungen fehlen.

Deshalb wurden in diesem Beitrag die finanzmathematischen Grundlagen sehr ausführlich behandelt. Es wurden jedoch nur die wichtigsten Grundbegriffe der Finanzmathematik gezeigt und viele spezielle Besonderheiten ausgespart. Der Leser möge bei Bedarf die Fachbücher zu Rate ziehen.


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