Die hier verwendete Notation ist in einem gesonderten Beitrag zusammengestellt.
- Einleitung
- Literatur
- Darstellung auf dem HP 49G
- Matrizenrechnung auf dem HP 49G
Vektoren und Matrizen sind Gebilde, die sich die Mathematiker einfallen ließen, um Funktionen und Berechnungsmethoden auf Gruppen von Objekten anwenden zu können.
Vektoren
Vektoren werden im praktischen Einsatz dazu verwendet, rechtwinkelige Koordinaten in der Ebene und im Raum darzustellen und zu berechnen. Dabei werden orthogonale kartesische Koordinatensysteme verwendet.
Vektoranalysis für Vektoren in einem n-dimensionalen euklidschen Raum oder n-dimensionale Vektorräume, wie sie in der Linearen Algebra definiert sind, wollen wir hier nicht behandeln.
Eine Erweiterung der Vektorrechnung stellt die Tensorrechnung mit ihrer besonderen Notation dar, die hauptsächlich von Ingenieuren in der Elastizitätstheorie (Schalentheorie) und in der Hydrodynamik (Bewegungsgleichungen) verwendet wird. Der HP 49G ist dafür nicht eingerichtet.
Hier werden Vektoren gezeigt, die der HP 49G darstellen und berechnen kann. Das sind Vektoren der Ebene, die wir mit V2 (zweidimensional = 2D) und des Raumes, die wir mit V3 (dreidimensional = 3D) bezeichnen. Eine ausführliche Einführung in die Anwendung und Berechnung von Vektoren ist in den Beiträgen "Digitale geometrische Modelle (DGM)" und "Querschnittswerte" gegeben. Deshalb wird hier nur der Unterschied zwischen Matrizen und Vektoren in der Eingabe und der Darstellung auf dem HP 49G behandelt.
Matrizen
Matrizen werden hauptsächlich dazu verwendet, die Koeffizienten von Gleichungssystemen "tabellarisch" darzustellen (Koeffizientenmatrix) und die Gleichungssysteme durch Matrizenrechnung zu lösen.
Wer mit Matrizen auf dem HP 49G arbeiten will, der kennt sie aus Schule oder Studium und kann damit umgehen. Deshalb werden die Grundlagen der Matrizenrechnung hier nicht behandelt, sondern nur die Darstellung von Matrizen auf dem HP 49G gezeigt.
Listen
Der Mathematiker bezeichnet auch ein sogenanntes n-Tupel, also eine Gruppe von n Zahlen oder Objekten, als Vektor. Diese n-Tupel sind in der Informatik bei der Programmierung wichtig, um Gruppen von Zahlen (arrays) programmtechnisch in den Griff zu bekommen.
Beim HP 49G werden diese n-Tupel in geschweifte Klammern { } gesetzt und als Listen bezeichnet. Entsprechende Funktionen und Befehle für Listenverarbeitung sind vorhanden. Im Beitrag "Querschnittswerte" wird ausgiebig davon Gebrauch gemacht.
Lehrbücher
Wer noch Defizit an Kenntnissen über Vektoren und Matrizen hat, findet genügend mathematische Literatur darüber. Besonders hingewiesen sei auf das Göschen-Büchlein "Vektoren und Matrizen" von Prof. Dr. Siegfried Valentiner (möglicherweise vergriffen) oder auf das Buch "Matrizenrechnung" von Wolfgang Gröner (BI-Hochschultaschenbuch), in dem auch die Vektoren kurz behandelt werden.
Handbücher
Die Verwendung und der Umgang mit Matrizen auf dem Taschenrechner ist in der offiziellen Dokumentation zum HP 49G ausführlich dargestellt. Vorausgesetzt werden dabei die mathematischen Grundlagen.
- Die Matrizen sind im deutschsprachigen "HP49G-Handbuch für Fortgeschrittene" (Teilenummer F1633-90408) in Kapitel 5 auf 22 Seiten sehr gut beschrieben.
- Die englische Ausgabe "HP49G- Advanced User's Guide (AUG)" (Part number F1633-90401) desselben Buches enthält den gleichen Text in Englisch.
Das unter 2. genannte Buch "HP49G Advanced User's Guide (AUG)" ist in der Gesamtausgabe des 49g_aug.zip in der Version 1.3 als PDF-File enthalten und steht unter http://www.hpcalc.org/hp49/docs/misc/49g_aug.zip (3258 KB) im Internet zum Download bereit. Contains
- the 112-page Advanced User's Reference,
- the 72-page CAS Command Reference, and
- the 360-page Command Reference.
In Adobe PDF format. By Hewlett Packard.
Es gibt auch eine PDF-Version des unter 1. genannten deutschsprachigen "HP49G-Handbuch für Fortgeschrittene". Sie war früher bei www.hp.com unter "manuals" zu finden. Leider ist die aktuelle Adresse dem Autor nicht bekannt.
Viele Beziehungen der analytischen Geometrie werden wesentlich übersichtlicher, wenn man sich der Vektorrechnung bedient.
Vektoren sind durch ein Skalar (Größe bzw. Länge) und eine Richtung bestimmt. Definitionsgemäß sind also zwei Vektoren gleich, wenn sie gleiche Länge und gleiche Richtung haben. Wo im Raum sich ein Vektor befindet ist dabei unwesentlich. Auf ihren Anfangspunkt kommt es nicht an. Man nennt sie auch freie Vektoren.
Will man die Koordinaten eines Punktes P im Raum vektoriell darstellen, nimmt man sogenannte Ortsvektoren, die ihren Anfangspunkt im Koordinatenursprung und ihren Endpunkt am Punkt P haben. Ortsvektoren sind also keine freien Vektoren, sondern sind an den Koordinatenursprung gebunden.
Mathematische Darstellung
Ein Vektor wird mathematisch dargestellt, indem man die Komponenten senkrecht übereinander anordnet und in große runde Klammern setzt, wobei x, y und z die Komponenten sind.
Im Ausnahmefall, rein aus schreibtechnischen Gründen, kann ein Vektor in einer Zeile mit nebeneinder angeordneten Komponenten geschrieben werden:
A = ( x y z ),
A ist der Name des Vektors als Variable. Meist werden für Vektornamen (Variablennamen) Großbuchstaben mit Überstrich, Unterstrich oder aus anderen Schriftarten (z. B. deutsche Frakturschrift) verwendet. Hier werden für Vektornamen unterstrichene fettgedruckte Großbuchstaben verwendet.
Darstellung auf dem HP 49G
Auf dem HP 49G werden Vektoren als Zeilenvektoren V2 oder V3 in eckigen Klammern dargestellt:
A = [ x y] und B = [ x y z ]
wobei wegen des begrenzten Zeichensatzes des HP 49G als Variablennamen nur Buchstaben ohne Attribute (fett, unterstrichen) verwendet werden können.
Einen Spaltenvektor in eckigen Klammern, also
wertet der HP 49G als einspaltige Matrix.
Es gibt aber auch einzeilige Matrizen, die bei der Anzeige auf dem Bildschirm des HP 49G mit einem Vektor verwechselt werden können.
Deshalb gilt für die Unterscheidung:
Eingabezeile:
Vektoren haben in der Eingabezeile einfache eckige Klammern [ ].
Matrizen haben in der Eingabezeile doppelte eckige Klammern [ [ ] [ ] ],
wobei für jede waagrechte Matrixreihe eine eigene innere Klammer gesetzt wird.
Matrixwriter:
Der "Matrixwriter" (Aufruf: [leftshift] [MTWR] ) erleichtert die Eingabe einer Matrix. Bei Eingabe einer Matrix im Matrixwriter muß man die Markierung des Vektor-Menufeldes VEC deaktivieren (kleines Quadrat bei VEC muß verschwinden). Dann kann man die Matrix eingeben. Die erzeugte Matrix in [[ ]] steht nach Verlassen des Matrixwriters im Stack Steht eine Matrix in Stackebene 1, dann kann man mit Taste [cursor down] den Matrixwriter aufrufen. Mit [ENTER] sichert man das Ergebnis der Eingabe und beendet ihn.Direkteingabe in den Stack:
Man kann eine Matrix aber auch direkt in den Stack eingeben.
(Zeilenmodus: Flag -79 = 1):Beispiel :
Stackebene 2: [ [1. 2. 3.] ] Eingabe in Stackebene 1: [ [1.] [2.] [3.] ] nach [ENTER] erscheint in Stackebene 1: [ [1.]
[2.]
[3.] ]Im Formelmodus (Flag -79 = 0) werden Vektoren und Matrizen im Stack "mathematisch" (mit großer eckigen Klammern) angezeigt.
Die Eingabe muß auch bei eingestelltem Formelmodus, wie oben beschrieben, im Zeilenmodus (mit Doppelklammern) erfolgen.
Unterschied zwischen Vektoren und Matrizen beim HP 49G:
- Im Zeilenmodus (Flag -79 = 1) haben Vektoren einfache eckige Klammern [ a b c ] und Matrizen eingeklammerte eckige Klammern [ [a b c ] [d e f ] [g h i ] ]
- Beispiel:
Vektor = [ 1. 2. 3. ]
Einzeilige Matrix = [[ 1. 2. 3. ]]
Einspaltige Matrix = [[1.] [2.] [3.]]- Im Formelmodus (Flag -79 = 0) haben in der Stackanzeige diese Vektoren
normale eckige Klammern [ ]
und die Matrizen fette einfache Klammern [ ].Die Unterschiede in der Darstellung zeigen folgende zwei Bilder:
Zeilenmodus: Flag -79 = 1
Formelmodus: Flag -79 = 0
wobei in Stackebene 3 ein Vektor, in Stackebene 2 eine einzeilige Matrix und in Stackebene 1 eine einspaltige Matrix gezeigt wird. Die Matrizen sind im Unterschied zum Vektor im rechten Bild nur an den fettgedruckten eckigen Klammern zu erkennen.
Hinweis: Damit der Bildschirm in voller Höhe zur Verfügung steht, wurde für die Bilder HEADER = 0 gesetzt.
Kuriosum:
Obwohl, wie aus obigen Ausführungen zu vermuten, Vektoren und Matrizen auf dem HP 49G unterschiedliche Objekttypen sein müssen, haben sie komischerweise beide dieselbe Typnummer 29. Man kann sie also programmtechnisch nicht unterscheiden, z.B. durch Type-Abfrage.
Die mathematischen Matrizenmanipulationen können auf dem HP 49G in der üblichen Weise durchgeführt werden. Da die Matrixelemente meist reelle oder komplexe Zahlen sind, sollte mit dem HP 49G im Näherungsmodus (Flag -105 = 1) und im Komplexmodus (Flag -103 = 1) gearbeitet werden.
Es gibt Funktionen für
- Erzeugen einer Matrix
- Erzeugen einer Einheitsmatrix
- Verändern einer Matrix
- Auflösen einer Matrix in ihre Elemente
- Auflösen einer Matrix in Zeilenvektoren
- Auflösen einer Matrix in Spaltenvektoren
- Extrahieren des Diagonalvektors einer Matrix
- Rang einer Matrix
- Multiplikation einer Matrix mit einem Skalar
- Multiplikation einer Matrix mit einem Vektor
- Multiplikation einer Matrix mit einer zweiten Matrix
- Dividieren eines Feldes durch eine quadratische Matrix
- Berechnung der Determinante einer Matrix
- Diagonale einer Matrix
- Spur einer Matrix
- Transponieren einer Matrix
- Invertieren einer Matrix (zur Lösung von Gleichungssystemen)
- Ändern der Dimension einer Matrix
- Erstellen und Transformieren von komplexen Matrizen (komplexe Zahlen!)
- Eigenwerte und Eigenvektoren
- Singularwerte einer Matrix
- Zerlegen einer Matrix
- Faktorisieren einer Matrix
Die Handhabung dieser Funktionen ist in den oben genannten Handbüchern genau beschrieben, deshalb wird hier auf eine Beschreibung verzichtet.
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