Vorwärtseinschneiden und Rückwärtseinschneiden sind zwei Verfahren in der Vermessungskunde, um von lagemäßig bekannten Punkten in der Natur einen neuen Punkt, der lagemäßig nicht bekannt ist (= Neupunkt), in der Lage zu bestimmen und einzumessen. Die Richtungen "vorwärts" und "rückwärts" werden hier in der Weise verwendet, daß man "vorwärts" ins unbekannte Gelände schreitet, und "rückwärts" auf das bereits vermessene Gebiet blickt.
Während man sich beim Vorwärtseinschneiden zweier lagemäßig bekannter, zugänglicher Punkte bedient und von dort aus den (nicht unbedingt zugänglichen) Neupunkt anpeilt (Methode der Dreiecksbestimmung aus Seitenlänge und zwei anliegenden Winkeln), befindet man sich beim Rückwärtseinschneiden am (zugänglichen) Neupunkt und peilt rückwärts mindestens drei lagemäßig bekannte (nicht unbedingt zugängliche) Punkte an.
Bei den Messungen werden alle Längen und Winkel auf eine horizontale Ebene bezogen, bei Schrägmessungen rechnet man die Werte vor der Berechnung auf diese waagrechte Ebene um.
Hier wird nicht mit Koordinaten, sondern nur mit Längen- und Winkelmessungen gearbeitet.
Das Rückwärtseinschneiden ist nicht nur für Vermessungsingenieure, sondern auch für den Wanderer interessant, der mit guter, maßstabsgetreuer Karte, einem Meßlineal, einem Winkelmesser und dem HP 49G ausgerüstet ist.
Mit dem hier zur Verfügung gestellten Programm RWE (siehe unten) für den HP 49G kann der Anwender die Entfernung von seinem Standpunkt zu drei lagemäßig bekannten, auf der Karte verzeichneten Punkten (z.B. Bergspitzen, Kirchtürme) berechnen und damit seinen (vielleicht lagemäßig nicht bekannten) Standort auf der Karte bestimmen, wenn er die Winkel zwischen diesen bekannten Punkten von seinem Standort aus gemessen und die Abstände der bekannten Punkte der Karte entnommen hat.
Die nachfolgende Zeichnung zeigt diese Situation.
Erläuterung:
- Die drei gelb gekennzeichneten Punkte P1, P2 und P3 sind vom Neupunkt P4 aus sichtbar.
- Die Längen L1 und L2 sind bekannt oder werden aus der Karte bestimmt.
- Die beiden hellgrün gekennzeichneten Winkel
und
am Neupunkt P4 werden durch Peilung nach P1, P2 und P3 gemessen.
- Der dritte Winkel
bei P2 wird aus der Karte gemessen oder ist anderweitig genau bekannt.
Der Winkel
bei P2
- ist positiv, wenn der Streckenzug L1 L2 bei P2 gegenüber dem Neupunkt konvex ist, also zum Neupunkt hin geknickt ist,
- ist negativ, wenn der Streckenzug L1 L2 bei P2 gegenüber dem Neupunkt konkav ist (siehe eingezeichnete grüne Variante)
- ist Null, wenn P1, P2 und P3 auf einer Geraden liegen.
Das Programm RWE steht als Einzelprogramm zur Verfügung. Das Programm läuft im RPN-Modus.
Das Programm sichert zu Beginn die aktuellen Flageinstellungen des HP 49G und stellt sie am Schluß der Berechnung wieder her. Es verändert auch den Stack nicht. Nach dem Aufruf von RWE erhält man eine Aufforderung, die Längen und Winkel einzugeben (nachfolgend gezeigtes linkes Bild). Zur Erleichterung der Eingabe legt es Variablen mit den entsprechenden Namen für die einzugebenden Winkel und Längen (siehe rechtes Bild) an, die mit Vorgabewerten für ein Beispiel belegt sind. Diese Werte überschreibt man einfach mit den gewünschten Werten und startet das Programm noch einmal . Man kann aber auch mit den Vorgabewerten rechnen, indem man nochmals RWE drückt; aber man sollte sich nicht wundern, die Zahl 60 kommt ziemlich oft im Ergebnis vor. Das Beispiel besteht nämlich aus zwei gleichseitigen Dreiecken (Sonderfall), die von den vier Punkten P1 bis P4 gebildet werden.
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Eingabehinweise:
Die in obigem Bild 2 gezeigten Variablen werden mit den gewünschten Eingabewerten überschrieben: Die drei in der obigen Zeichnung hellgrün gekennzeichneten Winkel
,
und
werden in Altgrad [°] in den Rechner eingegeben. Für die beiden Längen L1 und L2 kann man eine beliebige Längeneinheit wählen, das Ergebnis enthält nur Zahlen ohne Maßeinheit.
Das Programm überprüft die Eingaben auf Plausibilität (zulässiger Zahlenbereich und Variablentyp, falsche Werte, z.B. Text) und fordert bei falschen Eingaben zur Korrektur auf. RWE muß dann erneut gestartet werden. Ist der Rechner mit den Eingaben einverstanden, dann liefert er anschließend die Ergebnisse.
Ergebnisse:
Als Ergebnis werden die Eingaben und die drei berechneten Abstände x1, x2 und x3 der Punkte P1, P2 und P3 vom Neupunkt angezeigt (siehe Bild 3). Diese stehen auch in den gleichnamigen Variablen zur Verfügung (siehe Bild 4). Der Rechner legt noch einige Variablen mit Hilfswerten an, die nur theoretische Bedeutung haben (siehe Zeichnung und Erläuterung oben). Mit LOE kann man alle Variablen löschen und den Originalzustand wieder herstellen.
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Extreme Eingabewerte vermeiden!
Wenn die Dreiecke P1 P2 P4 und P2 P3 P4 zu spitze Winkel haben, dann kann das Ergebnis ungenau werden. Die beiden Strecken L1 und L2 sollten nicht zu schräg zum Neupunkt P4 liegen, d.h. die Peilwinkel
und
sollten nicht zu klein sein, dürfen aber größer als 90° sein. Wenn diese Winkel mit amateurmäßigen Mitteln (Kompaß-Skala, Winkelmesser, Peildreiecke auf Tisch oder auf Papier) gemessen werden, sollten sie nicht kleiner als 10° sein, damit sich die unvermeidlichen Meßungenauigkeiten nicht extrem auswirken.
Wenn die Winkel mit professionellen Geräten (Theodolite) gemessen werden, ist das Ergebnis im Rahmen der im HP 49G verfügbaren Genauigkeit für die normale berufliche Arbeit ausreichend genau.
Der Wanderer, der die Winkel mit amateurmäßigen Mitteln nur ungenau bestimmen kann, bekommt ebenfalls für seine Eingaben genau berechnete Ergebniswerte, die jedoch nicht genau mit der Natur übereinstimmen, weil die Eingabewerte nur Näherungen sind.
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